Die Fürstin verkaufte zwar nicht selbst, aber sie ging ab und zu, und war unermüdlich im Anordnen, wie in Allem, was in irgend einer Form Vergnügen hieß.

Edith Brandau hatte ihre Mitwirkung selbstredend zusagen müssen, sie war schon von je durch ihre Erscheinung die Krone jedes solchen Unternehmens, und jetzt, wo der etwas seltsame Brautstand die allgemeine Neugier in Bezug auf das schöne Mädchen noch erregt hatte, durfte man eine besondere Anziehungskraft für die Kauflust des Publikums von ihr erwarten.

Die Stunde, wo die Gesellschaft sich in die Verkaufsstätte drängte, hatte noch nicht geschlagen, doch waren die Unternehmerinnen schon erschienen, und nahmen beim strahlenden Lampenlicht an den sehr bunt und geschmackvoll arrangirten Tischen Platz, während sie hier und da noch einen Gegenstand in besseres Licht stellten, dort einen mehr wohlgemeinten, als geschmackvollen Beweis des Wohlthätigkeitssinnes in den Hintergrund schoben.

Edith saß unbeschäftigt in ihrem Sessel zurückgelehnt. Ein mattblauer, schwerer Stoff umrauschte sie, wie das Element, dem sie mit ihren Nixenaugen und ihrem Goldhaar anzugehören schien. Neben ihr lag ein riesiger weißer Camelienstrauß, die zarten Blumenblätter waren fast nicht bleicher, als das Gesicht der schönen Braut, der sie in Ertings Auftrage vor wenigen Augenblicken beim Eintritt in den Saal überreicht wurden.

Das Mädchen war in tiefes Sinnen verloren. Die kurzen Wochen, die zwischen ihrer Unterredung mit Gerald und dem heutigen Abend lagen, hatten ihr so manche Stunde gebracht, die jede Fiber ihres Herzens erzittern ließ, und sie in den seltsamsten Conflict mit sich brachte.

Zufall und Absicht verbündeten sich, um sie wieder und wieder mit dem Jugendfreunde zusammenzubringen, und der auf „freundschaftlicher“ Basis angeknüpfte Verkehr, den ihr eigener Wille hervorgerufen hatte, nahm nur zu bald die leidenschaftliche Färbung wieder an, die Geralds ganzem Wesen seine Eigenthümlichkeit und seinen Reiz verlieh. Er hatte sich mit scheinbarer Unbefangenheit im Hause ihrer Mutter eingeführt, er, der sonst so ungestüm Reizbare, schien die Kälte der Gräfin, den schlecht verhehlten Widerwillen Ertings nicht zu bemerken, für ihn existirte nur Edith!

Und sie hatte nicht die Kraft, ihm zu zeigen, daß es so nicht sein dürfe — hatte sie wenigstens nur, wenn er nicht in ihrer Nähe war! Dann gelobte sie sich jedes Mal, sie wollte ihm mit klaren Worten sagen, daß er lieber fernbleiben solle, daß es für alle Theile das Beste sei, wenn er vor ihrer Hochzeit das Zusammentreffen vermeide, und wenn er dann wiederkam, und sie den ganzen Zauber empfand, den seine Stimme und seine Augen auf sie übten, dann tröstete sie sich mit jenem gefährlichsten Trost: „es ist ja nicht auf lange, ich bin ja bald fort, und einmal Frau, werde ich ihn nicht wiedersehen!“ Und sie vermied es nicht, wie sie gesollt hätte, ihn zu sprechen und ihm zu begegnen, sie spielte ein gefährliches Spiel an einem Abgrunde, weil sie nicht vergessen konnte, daß jenseits dieses Abgrundes die blaue Blume wuchs, die Jeder träumt, und Jeder anders benennt und die ihr — erste Liebe hieß.

Sie wurde aus ihren Gedanken durch ein plötzliches Geräusch gerissen. Soeben erschien die Fürstin mit ihren Damen in den weit geöffneten Flügelthüren. Mit einem prüfenden Blick überflog sie das Arrangement der Tische, eine Verbeugungswoge begleitete sie von einer Verkäuferin zur andern, bis sie den Brandau’schen Tisch entdeckte.

Sie eilte mit ausgestreckten Händen auf Edith zu.

„Seien Sie mir willkommen, mein liebes Kind,“ sagte sie, und strich zärtlich über das goldrothe Haar der jungen Dame, die sich tief verneigte. „Sie sehen bleich aus! ich weiß, daß Sie sich heute opfern durch Ihr Erscheinen, aber ich erkenne es auch an, glauben Sie mir!“