„Wenn die Anwesenheit meiner Tochter wirklich ein Opfer ist, Durchlaucht,“ sagte die Gräfin Brandau, als Edith schwieg, und warf ihr einen zornigen Blick zu, „so wäre es durch diese Anerkennung schon reichlich vergütet!“
Die Fürstin winkte begütigend.
„Lassen Sie mir meinen Liebling unangefochten, Gräfin, sie hat das Vorrecht, ein wenig launenhaft zu sein, es steht ihr ja doch Alles gut! Und nun, meine liebe Edith, was haben wir hier? Wie ich sehe, sind noch neue Schätze angekommen!“
Während die Damen sich in die Besichtigung und Erklärung der ausgestellten Gegenstände vertieften, und die Gräfin sich nach ihrem etwas weiter entfernten Tische begab, begann der Saal sich langsam zu füllen.
Eine große Anzahl von Herren fand sich ein, unter ihnen die meisten Vertreter jener Gesellschaft, die am Eingange unserer Erzählung in der Weinstube zusammengesessen hatten, auch Raven fehlte nicht, und gab seine gewohnten ironischen Bemerkungen über Menschen und Dinge zum Besten, während er an den Verkaufsstätten entlang schritt.
Nach einer Weile zeigte sich Ertings unscheinbare Gestalt, im Frack und weißer Halsbinde, eine Rosenknospe im Knopfloch. Er ging langsam von Tisch zu Tisch, wurde überall gerufen und aufgehalten, und kam endlich bei seiner Braut an, gleichzeitig mit Raven, der eben die Fürstin begrüßt hatte, und sich nun neben ihren Sessel placirte.
„Nun, Herr Erting,“ rief sie dem sich tief Verbeugenden entgegen, „Sie kommen doch mit gefülltem Beutel? Ich hoffe um so mehr von Ihrem Wohlthätigkeitssinn, als Sie den Gaben, die Ihnen diese Hand darreicht, sicher nicht zu widerstehen vermögen.“
„Erting verhält sich doch am Ende passiv,“ sagte Raven für den verlegen Verstummten, „er weiß, daß er bereits das Schönste zu eigen hat, was ihm die Welt bieten kann, was sollte ihn da wohl noch verlocken?“
„Das steht auf einem andern Blatt,“ erwiderte die Fürstin, während ihr Blick lächelnd Edith streifte, welche durch keine Miene verrieth, ob sie Ravens Worte überhaupt gehört, „ich rede von Dingen die gekauft werden können!“
In dem Augenblick glitt ein schmerzlicher Zug über das bleiche, schöne Mädchengesicht, sie wandte sich hastig ab und suchte in den Gegenständen auf dem Tisch umher.