Es blieb dahingestellt, ob Einer der Anwesenden den Doppelsinn der Worte erfaßt hatte, oder nicht.

Die Aufmerksamkeit der Fürstin richtete sich plötzlich auf den Eingang des Saales, und sie wandte sich zu Raven.

„Ich bitte Sie, Herr von Raven, wer ist der große, blonde Mann, der eben eintritt? — ach, Sie sehen ja nicht hin, dort im Jagdcostüm —“

„Das ist der sogenannte „tolle Junker,“ Baron Rüdiger, erinnern sich Durchlaucht nicht mehr? — der jetzt Wolfsdorf geerbt hat. Eine sonderbare Idee, in diesem Aufzug hier zu erscheinen!“

„Jedenfalls eine kleidsame Idee,“ sagte die Fürstin, deren Augen immer noch den Besprochenen fixirten, „das ist eine interessante Erscheinung; wie kommt es übrigens, daß man diesen neuen Ankömmling noch gar nicht zu Gesicht bekommen hat?“

„Rüdiger liebt es, gegen die gesellschaftlichen Formen zu verstoßen, Durchlaucht,“ sagte Erting etwas bitter, „er sucht darin eine gewisse Originalität!“

„Das thut er nicht,“ rief Edith plötzlich mit Energie und tief erröthend, „er ist ein Naturmensch durch und durch, und wenn er sich in seiner sorglosen Weise gehen läßt, so ist das eben originell, und er braucht es nicht erst zu suchen, wie Sie sagen!“

Erting biß sich auf die Lippen. Die Fürstin sah mit einem forschenden Blick nach dem plötzlich so lebhaft sprechenden Mädchen, und wandte sich dann zu Raven:

„Bringen Sie mir doch diesen seltenen Vogel einmal, Herr von Raven, ich möchte gern durch den Augenschein urtheilen.“

„Durchlaucht gestatten wohl, daß ich mich für einige Minuten beurlaube,“ sagte Erting rasch, während Raven sich anschickte, Rüdiger aufzusuchen.