Die Fürstin winkte gnädig gewährend mit der Hand, und wandte sich zu Edith, als Erting sich entfernt hatte.
„Edith, dieser Rüdiger sieht unbändig interessant aus, ist es wirklich eine Jugendliebe von Ihnen? Wie schade dann!“
Und ein nicht mißzuverstehender Blick folgte der kleinen Gestalt Ertings.
„Durchlaucht sind grausam,“ erwiderte Edith mit zuckenden Lippen, „habe ich das verdient? Wer mir in der Zeit meiner Verlobung so nahe gestanden hat, sollte anders denken, oder sprechen!“
Edith durfte viel wagen. Die Fürstin sah einen Augenblick wie bestürzt vor sich nieder.
„Verzeihen Sie mir,“ sagte sie dann in ihrer gewohnten leichten Art, „Sie wissen, ich sage gern, was ich denke, und im Moment kam mir die Idee, welch herrliches Paar Sie Beide — doch halt, er kommt!“
Rüdiger trat mit Raven zu der Fürstin.
„Sie haben uns auf Ihre Bekanntschaft warten lassen, Baron Rüdiger,“ sagte sie in liebenswürdigem Ton, „ich habe Ihren Oheim sehr wohl gekannt, und weiß mich Ihrer selbst aus Ihrer Fähnrichszeit dunkel zu erinnern! Haben Sie alles Attachement für alte Bekannte in der Fremde verlernt?“
„So wenig, wie die deutsche Sprache, Durchlaucht,“ erwiderte Rüdiger verbindlich, „wenn ich trotzdem ein Versäumniß beging, so bitte ich, es in Gnaden der partiellen Verwilderung zuschreiben zu wollen, der man bei einem Jägerleben, wie ich es seit fünf Jahren führe, doch nicht entgeht.“
„Rüdiger kokettirt ein wenig mit dieser Verwilderung,“ sagte Raven in seiner gewohnten ironischen Weise, „man muß seine tadellosen Verbeugungen sehen, um zu staunen, daß er in Californien Gold gegraben, in Australien —“