„Köstlich, Herr von Raven, dieser Rüdiger ist wirklich ein Original! Aber wie erfrischend wirkt das in unseren nüchternen Kreisen!“
„Ich fürchte, Durchlaucht, daß Herr Erting die Sache nicht in diesem Sinne auffassen wird,“ sagte Raven, „er schäumte geradezu vor Wuth, und seine Mutter, die eben eintrat, um das Bouquet des Söhnchens fliegen zu sehen, war mindestens ebenso empört! Wenn die Sache nur nicht ernstere Folgen hat!“
„Das wäre ja abscheulich!“ rief die Fürstin lebhaft, „und gerade jetzt, wo ich mir vorgenommen habe, den interessanten Goldgräber zu unseren kleinen Festen heranzuziehen; eine derartige Differenz würde Alles zerstören. Das muß verhindert werden, um jeden Preis! Ich werde die Familie Erting versöhnen, Herr von Raven, ich bringe der Außergewöhnlichkeit ein Opfer!“
Sie ging lachend davon, und Raven folgte ihr, etwas ingrimmig murmelnd: „Besonders, wenn diese „Außergewöhnlichkeit“ ein so hübsches Gesicht hat, da opfert man sich mit Leichtigkeit!“
Aber Ludwig Erting war bereits den suchenden Augen der Fürstin entrückt. Er faßte den Arm seiner Mutter und zog sie mit sich hinaus.
„Ich gehe nach Haus,“ sagte er auf ihren verwundert fragenden Blick.
„Und Edith? Ich weiß nicht wie du bist, Ludwig, du wirst doch deine Braut nicht allein hier lassen!“
„Ich gehe nach Haus,“ wiederholte er heftig, „für heute habe ich wieder einmal genug von dem vornehmen Brautstand. Was, ich soll mich wohl von dem infamen Abenteurer, dem Rüdiger, wie einen Schuljungen necken und zerren lassen? Mutter, ich sage dir, es geht nicht gut; wenn du nicht merkst, daß man sich hier über uns lustig macht, ich merke es, und was habe ich denn davon?“
„Aber Ludwig,“ rief die erschrockene Frau, die währenddessen mit dem zornigen, kleinen Sohn ihren bereitstehenden prächtigen Wagen bestiegen hatte, und nun an seiner Seite durch die Straßen rollte, „Ludwig, hast du denn gar kein Gefühl für die Ehre, die dir geschieht, wenn du eine solche Heirath machst? Du mußt doch steigen wollen und in höhere Sphären kommen, mein liebes Kind — ich will ja nur dein Glück, wenn ich dir dazu rathe!“
„Du meinst es gut, Mutter, das weiß ich,“ sagte er, schon ruhiger, „und es ist ja auch möglich, daß eine Heirath mit Edith ein Glück ist, in manchem Sinne! Aber ich denke jetzt oft, es wäre besser für mich, ich hätte mich nicht von dir bereden lassen, aus meinem Kreise herauszugehen, durfte ich nach meinem Sinne wählen, so wäre ich später einmal Herr in meinem Hause, und nicht, was ich hier immer sein werde, der Mann meiner Frau, die ja sehr schön, sehr vornehm und sehr klug ist, die aber wenigstens zehn Stufen herunter steigen muß, um sich mir gleich zu dünken. Das ist nichts für mich, Mutter, aber wir wollen nicht weiter davon sprechen. Geschehene Dinge sind nicht zu ändern!“