„Nun, Ludwig, haben Sie mich wirklich noch nicht erkannt, oder wollen Sie sich Ihre Maskenfreiheit wahren?“ sagte sie, und legte ihre kleine Hand auf seine Schulter.

Er wandte sich hastig um und nahm die Larve ab; es lag ein Zug von trübem Nachdenken auf seiner Stirn.

„Wollen Sie mich daran erinnern, daß es mit unserer Freiheit überhaupt bald zu Ende ist?“ sagte er in einem Tone, der scherzhaft sein sollte, aber bitter klang.

„Was haben Sie, Ludwig?“ frug Edith halb erstaunt und halb verletzt, indem sie einen Schritt zurück trat. In dem Moment fiel ihr Blick auf eine hohe Gestalt in der düsterschönen Tracht eines spanischen Granden. Eine tiefe, jähe Röthe schoß ihr sinnverwirrend in den Kopf, und war trotz der Larve wohl zu bemerken.

„Was ich habe?“ gab er finster zurück, „sehen Sie einmal in den Spiegel, Edith, aber jetzt, in diesem Augenblicke, und fragen Sie sich, „was ich habe,“ wenn das Mädchen, das in drei Tagen meine Frau sein wird, beim Anblick eines Anderen so tief erröthet — Sie haben sich zu früh demaskirt!“

Sie richtete sich auf und wollte ihn ohne ein weiteres Wort verlassen, aber ihr ehrliches Herz sagte ihr, daß er so Unrecht nicht habe! Sie bezwang sich und blieb.

„Ludwig, seien Sie nicht hart,“ sagte sie, fast bittend, „Sie kennen mich genug, um zu wissen, daß ich bei jedem überraschenden Wort oder Anblick roth werde, und das unerträgliche Gefühl, daß Sie mich stets beobachten, wenn Gerald kommt —“

„Ach was Gerald — Gerald,“ rief er heftig, „Sie brauchen den Baron nicht beim Vornamen zu nennen, ich kann diese Jugendfreundschaft nicht leiden, die er zum Vorwand nimmt, um Ihnen vor Aller, und auch vor meinen Augen in der unerhörtesten Weise den Hof zu machen! Sie werden ihn nicht mehr beim Vornamen nennen, und Sie werden heute Abend nicht mit ihm tanzen!“

Edith war leichenblaß geworden.

„Sie demaskiren sich gleichfalls ein wenig früh,“ sagte sie langsam und eiskalt, „aber noch brauche ich mir in solchem Tone nichts befehlen zu lassen, ich werde Gerald Rüdiger beim Vornamen nennen, und werde mit ihm tanzen, bis Sie mir wirklich etwas zu befehlen haben!“