Er preßte bei diesen Worten ihren Arm so heftig an sich, daß sie einen leisen Schmerzensschrei ausstieß. Hastig ließ er sie los.
„Sehen Sie,“ sagte er mit erzwungenem Lächeln, aber ohne sich zu entschuldigen, „was davon kommt, wenn man mir den Willen nicht thut? Aber jetzt noch einmal, Edith, verzeihen Sie mir, wir sind für lange Zeit das letzte Mal zusammen gewesen — gönnen Sie mir diesen einen armen Abend aus Ihrem ganzen reichen Leben. Ich will heute noch einmal vergnügt sein, ich reise in dieser Nacht ab!“
„Weshalb?“ frug sie überrascht, und sah zu ihm auf.
„Was soll ich noch hier? Ihr Brautführer sein? Sie taxiren mich denn doch etwas zu zahm, Edith! viel zu zahm, wie Sie noch einmal einsehen werden! Aber Sie haben mir noch nicht geantwortet, verzeihen Sie mir? Hölle und Teufel, wie oft soll ich fragen?“
„Noch oft, und in ganz anderem Ton, ehe ich antworte,“ erwiderte sie kalt.
„Nun, dann bin ich zu Ende,“ rief er trotzig und wild, „thun Sie was Sie wollen, aber wundern Sie sich nicht, wenn ich es auch thue!“
Er stürmte fort, und Edith folgte ihm langsam, mit wildschlagendem Herzen. Eine unbestimmte Furcht schien sich wie ein Bleigewicht an ihre Schritte zu hängen. Als sie beim Eintreten in den Saal ihre Mutter nicht sofort sah, sondern nur Erting erblickte, ging sie, in einem ihr sonst fremden Gefühle der Schutzbedürftigkeit zu ihm, und legte ihre Hand in seinen Arm.
„Ludwig, Sie dürfen mich nicht so viel allein lassen,“ sagte sie, „was soll man davon denken?“
„Sie ließen mich allein,“ erwiderte er, halb versöhnt durch ihr Einlenken, — „aber es soll mir um so lieber sein, wenn ich jetzt in Ihrer Nähe bleiben darf! Geben Sie mir den nächsten Tanz, es ist eine Quadrille!“
„Gern,“ sagte sie, erleichtert, daß er ihr nicht mehr grollte, „sehen Sie sich, bitte, nach einem vis-à-vis um, ich erwarte Sie bei Mama!“