Er geleitete sie zur Gräfin Brandau, die inzwischen wieder in den Saal getreten war. Dann ging er, sich einer Gruppe von Herren zugesellend, zu der auch Rüdiger gehörte.
Edith beobachtete einige Augenblicke die Plaudernden mit angstvoller Spannung, aber da nichts Auffälliges zu bemerken war, wandte sie sich ihrer Mutter zu, und bemühte sich, die kritischen Bemerkungen zu belächeln, welche die Gräfin schonungslos über Alt und Jung laut werden ließ.
Das Zeichen zur Quadrille ertönte von dem hoch placirten, durch Orangerie fast versteckten Orchester. Die verschiedenen Gruppen im Saal geriethen in Bewegung, ein Paar nach dem andern stellte sich auf, Edith warf einen suchenden Blick in den Saal hinein, Erting kam nicht, und sie vermochte ihn auch nicht zu entdecken.
Verwundert und etwas ärgerlich wollte sie sich eben zurück ziehen, als Raven zu ihr trat.
„Nun, gnädigste Comtesse, Sie verschmähen diesen Tanz?“
„Sagen Sie lieber, der Tanz oder mein Tänzer verschmäht mich,“ sagte sie lächelnd, „ich habe die Quadrille meinem Bräutigam zugesagt, und er scheint dies vergessen zu haben!“
„Erting? O, der wird sofort kommen, er wurde eben abgerufen, weil ihn Jemand auf einen Augenblick zu sprechen wünschte, mag sein, daß die Unterredung sich ein wenig in die Länge zieht!“
„Ah so!“ erwiderte Edith beruhigt, nun, „plaudern wir, bis er kommt, Herr von Raven, oder besser, plaudern Sie, Sie verstehen das ja so meisterhaft!“
Raven verbeugte sich.
„Tempi passati, meine gnädigste, tempi passati, jetzt überläßt man es jüngeren Kräften!“