Edith gab sich voll und rückhaltslos dem Zauber der Minute hin, sie fühlte ein Recht dazu, da Erting sie so rücksichtslos, so gleichgültig verlassen hatte, und die Stunden flogen vorüber, leicht und glänzend, wie die Schneeflocken, die draußen dicht und dichter niederfielen.

Endlich gab die Fürstin das Zeichen zum Aufheben der Tafel und zugleich zur Beendigung des Festes.

Während man sich empfahl und der Saal sich zu leeren begann, trat Rüdiger noch einmal zu Edith.

„Ich darf Sie und Ihre Mutter nach Hause fahren?“

„Ich glaubte, Sie verreisten heute Abend?“

„Das thue ich auch, aber es bleibt mir trotz dessen noch Zeit, wenn ich Sie erst nach Brandau bringe, ich benütze dann einen späteren Zug.“

Aber Edith war inzwischen zu ruhigerem Besinnen gekommen. Sie schüttelte den Kopf.

„Nein, Baron Rüdiger, ich danke Ihnen! Ich bleibe heute noch bei der Fürstin, es ist mir zu spät geworden, um nach Brandau hinaus zu fahren, und meine Mutter hat gleichfalls die freundliche Einladung angenommen, im Schloß zu übernachten. Wir können uns also Ihrem Schutze nicht anvertrauen.“

„Wie Sie befehlen,“ sagte Rüdiger, ohne zu ihrer Ueberraschung noch mit Bitten in sie zu dringen, „dann fahre ich von hier direct zur Bahn, und fort. Leben Sie wohl, Edith, auf Wiedersehen!“

„Ein weiter Begriff, wenn Sie mehrere Tage fortbleiben,“ sagte sie mit etwas mühsamem Lächeln, „wir reisen gleich nach der Trauung für den Rest des Winters nach Italien.“