„Wie lange schon!“ murrte Job, „es ist ja glücklich fünf Uhr vorbei!“

„Nun, Scholz, was meinen Sie zu mir?“ sagte Rüdiger, sich ein wenig aufrichtend, „heulen Sie mir aber nichts vor, denn ich verstehe ebenso viel von der Chirurgie wie Sie, alter Bartscheerer! Kaput oder nicht?“

„Der Knochen ist durch und durch, Herr Baron,“ erwiderte der Wundarzt trocken. Erting klappte zusammen wie ein Taschenmesser, während Rüdiger kein Zeichen der Bewegung sehen ließ.

„Herr Baron fangen auch schon an zu fiebern, vor allen Dingen ruhige Lage und kühles Getränk!“

„Tröstlich!“ sagte Rüdiger, dessen Augen allerdings bereits fieberhaft zu glühen begannen, „denken Sie aber nicht, daß ich Ihrem blödsinnigen Gewäsch folge! Was, ruhige Lage! — sitzen werde ich bis morgen früh und mein kühles Getränk wird auch von anderer Art sein, als Sie sich einbilden! Was, Erting? Haben wir unsere schöne Feindschaft mit Menschenblut besiegelt, so soll nun Rebenblut dran! Job, flink, in den Keller!“

„Baron Rüdiger,“ sagte Erting flehend, und faßte in seinem Eifer die Hand des Gegners, „ich beschwöre Sie, thun Sie, was der Arzt Ihnen sagt! Bedenken Sie, was daraus entstehen könnte, wenn Sie sich seinen Anordnungen widersetzen.“

Dem kleinen, gutmüthigen Mann traten fast die Thränen in die Augen. Rüdiger sah ihn einen Moment verwundert an und lachte kurz auf.

„Sie sind eine gute Seele,“ sagte er, „und sollen sich nicht ängstigen! Ich werde zu Bett wandern, damit Sie nicht, wenn ich mit achtzig Jahren sterbe, sich einbilden, ich wäre an Ihrem Tellschuß draufgegangen und sich ihr Greisenalter durch Gewissensbisse verderben. Aber vor allen Dingen sollen Sie jetzt in die Stadt zurückkehren. Job, laß anspannen! ah, der Wagen kommt schon eine — schwere Kutsche, wie sie rasselt! Aber die Todten reiten schnell!“

Er schloß die Augen.

„Zu Bett mit ihm,“ sagte der Chirurg energisch, „das Fieber steigt rapide. Wenn Sie nach der Stadt fahren,“ wandte er sich an Erting, „so schicken Sie doch noch einen Arzt heraus, ich mag die Verantwortung nicht allein übernehmen.“