Rüdiger, der inzwischen wieder zu sich kam, ließ sich ohne weiteren Widerstand von Erting und Job in sein Zimmer bringen, dann kehrte Ersterer zu dem Arzt zurück.
„Geben Sie mir Ihre Directionen für die Nacht,“ sagte er mit ungewöhnlicher Festigkeit, „ich bleibe bei dem Baron, er hat schon darein gewilligt.“
Der Chirurg sah ihn erstaunt an.
„Nun meinetwegen,“ sagte er, „legen Sie ihm fleißig Eis auf den Kopf, und halten Sie ihn möglichst ruhig. Aber ein Arzt muß noch heraus!“
„Schön, bestellen Sie einen reitenden Boten, ich schicke zu Doctor Stein, er ist einer der besten Aerzte und mir persönlich bekannt. Halten Sie denn den Zustand des Barons für gefährlich?“ Ertings Lippen zitterten.
„Offen gesagt, ja!“ erwiderte der Wundarzt nach einigem Besinnen, „das Fieber tritt so schnell und heftig auf, daß es die Kräfte sehr hinnehmen muß und für einen Mann von des Barons ganzer Natur ist ein Krankenlager immer eine böse Sache. Aber wir wollen das Beste hoffen!“
Erting schrieb in fliegender Eile, während der Bote sich bereit machte; er citirte Doctor Stein heraus und benachrichtigte in einem zweiten Briefe Edith von seinem Aufenthalt und dem stattgehabten Duell.
Dann kehrte er zu Rüdiger zurück, den er in den wildesten Phantasien vorfand.
Doctor Stein, den wir gleichfalls am Eingang unserer Erzählung kennen lernten, traf in wenig Stunden ein. Er trat mit dem ihm eigenen, besonnenen Wesen an das Lager des wilden Kranken, und sein Einfluß vermochte Rüdiger so weit zu beruhigen, daß er auf einige Fragen ziemlich klar antwortete. Aber nach wenig Augenblicken verfiel er schon wieder in heftige Raserei. Erlebtes und Geträumtes mischte sich auf eine für Erting unbeschreiblich qualvolle Weise in seine Reden.
Doctor Stein sah bedenklich aus, als er sich empfahl.