Erting sah vor sich nieder.

„Ich will einmal ehrlich sein, Rüdiger,“ sagte er und wurde roth, „so sehr großmüthig wäre es nicht ’mal von mir! Ich habe schon lange das Gefühl, als wenn Edith Brandau und ich einen dummen Streich begangen hätten, als wir uns verlobten, und — und ich muß Ihnen nur sagen, ich habe irgendwo in der Welt eine kleine Cousine, — nun, Sie können sich das Andere denken!“

Rüdiger schwieg eine Weile, dann strich er sich das Haar von der Stirn.

„Das nützt mir Alles nichts, Erting! Erstens sterbe ich, das wissen Sie ja so gut wie ich, und dann, wie Edith ist, habe ich sie mir durch meinen tollen Streich von vornherein verscherzt! Ein Mädchen wie sie läßt sich nicht ertrotzen; wenn ich ihr nicht gleichgültig war — und ich war es nicht — jetzt bin ich es geworden, glauben Sie mir, Erting! Aber ich habe nun genug gesprochen, ich will schlafen!“

Und er wandte den Kopf ab und verbarg das Gesicht in den Kissen.

Spät Abends jagte ein reitender Bote nach der Stadt. Doktor Stein wurde geholt, Rüdigers Zustand hatte sich aufs Heftigste verschlimmert.

Stein blieb mehrere Stunden da, und als er um Mitternacht zurückfuhr und versprach, gegen Morgen noch einmal wiederzukommen, da wußte man im Schloß, daß Rüdigers Leben menschlicher Voraussicht nach nur noch nach Stunden zähle.

Im Dorf verbreitete sich die Kunde mit Blitzesschnelle, sie flog mit ihren schwarzen Flügeln über die Grenze von Brandeck und schlug an die Fenster, hinter denen Edith wohnte, und schlug auf das verzweifelnde Herz von Geralds erster Liebe.

Als der Wagen des Doctors noch vor der Dämmerung wieder in den Schloßhof fuhr, lag Rüdiger in unruhigem Halbschlummer. Erting öffnete leise die Thür, als er Schritte im Vorzimmer vernahm.

„Stein, sind Sie es?“