„Ja, und ich habe noch Jemand mitgebracht,“ sagte der Doctor mit unterdrückter Bewegung, „machen Sie einmal Platz, Erting!“

Er zog ihn sanft von der Thür zurück und eine tief verschleierte Frauengestalt trat ihm entgegen und streckte ihm beide Hände hin.

„Ludwig, verzeihen Sie mir, was ich Ihnen angethan habe — und verzeihen Sie mir auch diesen Schritt — aber ich mußte Ihn noch einmal sehen!“

Erting nahm ihre Hände sanft in die seinen. „Gehen Sie zu ihm, Edith, ich habe Ihnen nichts mehr zu verbieten — der da drinnen hat Sie mit seinem Blut erkauft!“

Sie trat langsam, bebend an das Bett des Schlummernden, sie sah einige Augenblicke in sein bleiches Gesicht und dann kniete sie neben ihm nieder und küßte seine Hand.

Da sah er empor, nicht erstaunt, sondern nur sehr glücklich, und sagte: „Nicht wahr, du bleibst jetzt bei mir?“

Und als sie vor Thränen nur stumm zu nicken vermochte, schloß er die Augen und verfiel in einen sanften Schlummer.

„Das war ein Gewaltstreich,“ sagte Doctor Stein eine Stunde später zu Erting, „aber er hat die Krisis beschleunigt. Ich halte ihn für gerettet!“


Und als der nächste Sommer davon fliegen wollte, war Alles gekommen, wie es hatte kommen müssen! Gerald Rüdiger und seine schöne Frau standen auf der Freitreppe ihres Schlosses; in den übermüthigen blauen Augen des „tollen Junkers“ war ein ernsteres Licht aufgegangen; dies und der steife Arm, der noch immer nicht wieder ganz beweglich sein wollte, gemahnte noch an die Vergangenheit, die ihm heute wieder besonders lebhaft nahe gerückt worden.