„Wenn das nur gut abläuft! Ein Brautpaar, das sich nur acht Tage gekannt hat, ehe es ein Brautpaar wurde! Eine bedenkliche Sache!“

Bei diesen Worten wendete der alte Herr den Kopf nach uns um.

„Verzeihen Sie,“ begann er lächelnd, „wenn ich mich in Ihr Gespräch mische, welches von Persönlichkeiten handelt. Aber von der Bemerkung, die Sie eben machten, mein Fräulein, fühle ich mich zu sehr getroffen, als daß ich mich nicht vertheidigen möchte. Ich war auch in dem Fall, von dem Sie eben sprechen — ich habe meine Frau sogar nur drei oder vier Mal gesehen, eh’ wir uns verlobten, und wir sind doch ein sehr glückliches Ehepaar geworden.“

Um mein Leben nicht konnte ich die tactlose Aeußerung nicht unterdrücken, daß ich in diesem Fall das sehr natürlich fände. Mein alter Herr nickte mir lachend mit herzlicher Miene zu, es mochte ihm wohl schon öfter vorgekommen sein, daß er so schnell Eroberungen machte.

Meine Freundin, noch kühner als ich, richtete nun die Frage an ihn, wie das denn gekommen sei, ob er nicht Zeit gehabt hätte, sich länger zu besinnen?

Der alte Herr sah mit einem schelmischen Lächeln in unsere neugierigen Gesichter, dann sagte er freundlich:

„Ja, so etwas hören junge Damen immer gern! Aber es ist eine lange Geschichte, am Ende komme ich an’s Ziel meiner dreistündigen Fahrt, eh’ ich zu Ende bin!“

„Ach bitte,“ riefen wir Beide, „es wird schon gehen, die Geschichte ist uns sicher nicht zu lang — wenn Sie so sehr freundlich sein wollen!“

Der alte Herr ließ sich erbitten, wir rückten uns alle Drei gemüthlich zurecht und er begann:

„Daß es schon eine ganze Weile her ist, seitdem ich auf Freiersfüßen ging, brauche ich Ihnen nicht erst zu sagen. Ja, diese Eisenbahn, auf der wir jetzt so selbstverständlich durch die Welt fliegen, war damals etwas ganz Neues, ein Wunderwerk, welches nur mit ehrfurchtsvollem Staunen und einem leisen Schauder benutzt wurde. So gewöhnt sich der Mensch an Alles und wir nennen die Jugend mit Unrecht anspruchsvoll, ihr wird nur eben Das schon in die Wiege gelegt, was wir als große Leute erst staunend und dankbar bekommen haben. Der Telegraph war damals auch erst eben erfunden — ja, ja, denken Sie nur!