Heinrich. Sie hatte Heinrich gemeint. Er stürzte sich, ohne an dem Hohn zu haften, mit dem sie ihm nachsetzte, durch die einströmenden Gedanken ihrer Absicht zu. Sie wollte jemand kommen lassen: sie wollte Heinrich kommen lassen. Sie wollte etwas mit ihm ins Reine bringen: mit Heinrich — was? Alsbald stand ihm fest, und er glaubte, guten Grund zu haben, darauf weiterzugehen: sie wollte Heinrich vor die verhohlene Finsternis stellen, in der sie und das Kind lagen, um den heranwuchernden Gerüchten zu wehren. Heinrich — unendlich erhellt und lieblich erschien ihm dies Waffentum — sollte an Vaterstelle neben das Kind und die Ehre der Mutter treten. Er bewunderte die Gewandtheit, mit der sie auf diesen Gedanken gekommen war, und erstarrte vor den Untiefen der Heimtücke, über die der Weg dahin führte. So raubtierhaft eingezogen kann nur ein Weib über seiner Brut den andern ins Auge fassen; so kaltherzig bedächtig nur ein Weib dem andern die Schlinge legen. Er ruhte auf der Höhe dieser Betrachtung aus und atmete mit Behagen. Letzthin: wenn Heinrich als Vater des Kindes galt, konnte er nicht seinen Nutzen daraus ziehen? Er würde bleiben — unverraten, ungefährdet. Seine Zähne lichteten sich und lachten: wie abgefeimt hatte sie das alles bedacht! — er sprang von seinen Gedanken ab und an Maria und packte sie wie mit Krallen: „Ja ja, Maria! Geh! schreib ihm! ganz sanft, ganz gelind, ganz verschlagen! Du kannst es! Du kannst es! Er soll kommen; ich will es. Du hast recht; anders kann ich nicht bleiben.“
Sie sah ihn lange und groß an. Dann sagte sie: „Ich habe an Heinrich geschrieben.“
Er erstarrte. Kälte durchsprang ihn. Er schlug zusammen.
„Ach! — Geht es mir auf! Seid ihr einig miteinander? Sind meine Tage schon gezählt? Drückt ihr mich heraus wie ein Giftgeschwür?“
Sie wandte sich leichthin ab: ob er denn vom ersten Tag an oder selbst, ob er vom ersten Schritt an, den er hierher gegangen sei, geglaubt habe, sich halten zu können?
Das bringt ihn hindurch. Er atmet sogar wieder. Er sagt:
„Ich werde bleiben, Liebe.“
„Ich werde auferstehen!“ hallt es ihm da entgegen — nein, keine menschliche Stimme hat das gesagt! — und ein fremdes Gelächter läßt ihn hinter sich zurück.
Decken! Decken! Warme, dunkle Decken! Schlafen!
Mit gebreiteten Armen tanzt die weiße Gestalt durch ihn hin. „Gib mir deine Hand!“ — Schlafen! „Ich will dich führen!“ — Schlafen! „Ich will!“ — Schlafen! nur schlafen!