An der Tür rütteln verworrene Stimmen; er ist aufgewacht; er wagt nicht, sich vom Bett zu erheben; er horcht. Eine weinende Stimme will etwas Unabwendbares beschwichtigen: das ist sie! oh, das ist sie!
Sie steht Rede und Antwort auf viele Fragen; er horcht. Sie bleibt standhaft bei einer immer wiederkehrenden letzten Frage: ob Er —? ob Er —?
„Wartet! ihr habt versprochen zu warten! Wartet, bis Heinrich kommt!“
Nein, sie wollten nicht warten. Immer wieder diese flammenspitze, schlangenhaft zustoßende Stimme. Sie wollten nicht warten. Sie wollten ihn sehen.
Da brach er auf. Er griff nach seinen Kleidern; er war machtlos über sie; sie flogen ihn an.
Er war draußen. Er war über einen gekommen wie über ein Nichts. „Hund! Was willst du? Mit wem sie es gehalten? Fragt Heinrich!“ Er schlug und peitschte es in sie hinein: „Fragt Heinrich! Heinrich!“
Er blickte um sich. Das Gelichter! Verschrien spritzte es auseinander, rollte in Ecken zusammen, tropfte vom Geländer, stockte die Treppe abwärts.
Er versuchte, sich zu sammeln. Er sah seine Hände an, die schwer und noch erfüllt vom Zustrom des Blutes an ihm hingen, — was hatte er getan? Schändlicher als die roten, feuchten Hände, die er nicht ablegen konnte, — er hatte gelogen. Am Pfosten der Tür, von Ekel durchstiegen, stand Maria. Er schämte sich an ihr vorbei und schloß die Tür.
Sein Kopf — das fühlte er — verstand nicht mehr genug, um zu entscheiden, was zu tun war. Das immerwährende Frage- und Antwortspiel hatte ihn matt gemacht, und schwachsinnig hingegeben, schwang er zwischen dann und wann auftönender grundloser Ruhe und dem Gekreisch eisscharf klirrender Stimmen her und hin.
Nach langem Schlaf, beim Erwachen — die Sonne schien dazu — gelang ihm dies: man muß nicht ängstlich werden; man muß der Welt zusetzen, bis sie das letzte Wort spricht: Leben oder Tod.