„Wie — es — aussah? — Mein Gott!“ Er hatte es laut hervorgestoßen, und es hatte doch nur ein Anruf innen sein sollen: mein Gott! nur nichts merken lassen! Das ist ja fürchterlich: er kann sich wirklich nicht entsinnen, wie es möglich gewesen ist, daß er hierher kam. Er erinnert sich dunkel einer Gestalt und denkt in demselben Atemzug: nur keine Pause machen! reden, reden! damit der andre nicht merkt — Was nicht merkt? denkt er und macht nun doch eine Pause. Daß er selbst gar nicht an solche Dinge glaubt, von denen er eben gesprochen hat; daß es gar keinen Sinn hat, von solchen Dingen vor vernünftigen Menschen zu sprechen; daß er genarrt, vom Höchsten, Heiligsten, was er im Leben erwartete, genarrt ist: „— So etwas gibt es ja gar nicht!“
Das hatte er geschrien. Und gerade, als habe nicht er, sondern der andre es geschrien, faßt ihn eine unausrottbare Wut gegen diesen andern, der da sitzt, durch seine bloße Gegenwart ihn verdrängend, und es schlägt kalt in ihm auf: dieser Mensch darf nicht bleiben; dieser Mensch darf nicht recht behalten; denn — du — hast — doch — recht!
Er richtete sich auf, sank aber mithin zusammen, und von dieser unerwarteten Bewegung zu kurzer Besinnung gebracht, fragte er, die Laute unter zähen kleinen Bläschen bildend, die im Gaumen aufquollen:
„Fühlst du nicht, wie entsetzlich das ist: daß ich hier sitze, daß alles einmal geschehen ist und ich nun in Worte verfalle und mich vergeblich bemühe, aus ihnen herauszukommen und zu fassen, wie das alles geschehen ist?“
Die Schwäche und Verwirrung, mit der dies Mühsame gesagt wurde, machte, daß in Heinrich sich ein Ekel wie vor einer schweißdurchtropften Maske aufspannte.
„Sagst du’s selbst, daß du aus Worten nie herauskommst? Laß! laß sie!“
Christianus schrie scharf und lauter als das erste Mal. Er sah, wie die Worte übersprangen, im Hirn des andern festen Fuß faßten, sich umwandten und sich gegen ihn kehrten. Er wollte neue vorschicken.
Sie prallten vor dem wahnsinnigen Schatten, der aufgerichtet war, zum Munde zurück: Heinrich stand vor ihm und reckte, von Hohn gebläht, zwischen dürren Sehnen den Hals: „Geh! geh! Ich nehm dir die Dirne. Und die Brut dazu. Aber geh!“
„Wohin?“ fragte Christianus sinnlos.
Heinrich lachte, riß das Rockstück über der linken Brust zurück und schoß mit spitzem Finger in die Mitte der Lache, die vom Halse herab bis unter die Herzgrube das Leinen durchblutet hatte. „Dahin!“ sagte er.