Christianus wankte. Wieder: diese Worte! Wie sie nur in den Dunstkreis des andern geraten, werden sie schon Verräter, tragen die Farbe des andern, richten sich gegen den, der sie ausschickt, starr, bajonettfrech. Er muß hinüber! diesen schurkischen Worten Richtung weisen, nachhelfen!

Er bog sich vor, streckte die Hand aus.

Der Hals, den er umkrampfte, erhob sich. Er schwang die Hand mitsamt der Schwere, die über ihr hing, durch die Luft abwärts in die Ecke zwischen Fußboden und Wand.

Es war ihm nicht, als ob er etwas Tatsächliches täte: er führte einen Beweis; jeder Schlag war ein Argument; die Argumente waren unabweisbar.

Sonderbar kam es ihn an, daß geschrien wurde. Der im Begriff war, ermordet zu werden, schrie nicht; er stöhnte. Aber es waren Schreie da; Schreie, die von Wand zu Wand wankten, Schreie, die aus allen Ecken zurückschreckten, Schreie, die durch die Decke brachen: ja: die Decke war durchbrochen von Schreien.

Als er die Haut seiner innern Handfläche kalt werden fühlte, — ein Zeichen, daß das, was er gewollt hatte, beendet war — hörte er auf zu schlagen, und im selben Augenblick gingen die Schreie ein.

Es war still. Es war Zeit zum Nachdenken. Er stand neben dem Toten, und alles um ihn herum war ganz nachdenklich geworden.

So weit kann es ein Mensch bringen. Man kann seinen Gegner von der Wahrheit überzeugen; am besten überzeugt man ihn, indem man ihn totschlägt und die Wahrheit allein glaubt. Es ist traurig, allein zu glauben. Aber weiter kann es ein Mensch nicht bringen.

Er wandte sich ab und zum Fenster, öffnete es, kam zurück und stellte sich wieder neben den Toten.

Was war das? Mit Grauen ging ihm auf, daß der Tote ihm mehr zu beweisen begann, als er dem Lebenden hatte beweisen können. Der — Tote — hatte — doch — recht!