Unbeherrschbar wuchs das Ungeheure auf. Es drängte seine Füße beiseite und weiter: er mußte gehen. Aus dem lautlosen Luftkreis hatte er die Antwort herausgeschlagen. Es war entschieden; sein Glaube hatte ihn betrogen. Warum war ihm das geschehen?
Er brach weinend neben dem Toten zusammen und lag lange bis zum frühen Morgen.
Dann stand er auf, hob sich durch die Tür und über kleine Stiegen zu der Kammer hinauf, aus der — wie ihm jetzt deutlich war — die Schreie gerufen hatten.
Er lehnte sich in die offne Tür und sah hin.
Über leblos gestreckten, steif eingefallenen Falten, die sich inmitten des Bettes über gewundenen, im Sterben stehengebliebenen Knien zu einem fürchterlichen Wirbel emporzogen, saß ein weißes Kind mit weitgeöffneten Augen.
Der Schmerz, diese Augen auf sich gerichtet zu sehen, war unhaltbar. Er näherte sich, wuchs auf das Unendliche zu; der Atem verging ihm im Auf und Nieder der Tränen. Während er sich bewegte, fühlte er, wie ihm die Stimme versagte: er hatte geredet.
Es tat ihm weh, den Schwung der Decken — der ihm wie eine Weihe war — zu zerstören; aber er öffnete das Bett, legte das Kind beiseite, umhüllte die lebendige Wärme und breitete über den kalten Mutterleib das Leinen; versah so seine ganze Barschaft.
Als es getan war, wandte er sich ab und ging die Treppe abwärts über Gänge, in denen schon das Tageslicht aufkeimte, hinaus auf die Straße — die Tür verschließen? Sie soll offen bleiben! Es soll alles offen bleiben! Die Fenster, die Türen, weit offen: damit die Menschen kommen. Die Menschen sollen kommen und sich an dem Kinde versuchen: auch an dem Kinde.
Die weite Heerstraße verging in einem Himmel voll Licht. Weißüberglänzte Vögel sprangen den Weg voran über Bäume von Ast zu Ast; wo er ging, sangen sie.
Sie sangen noch vor der Holzbaude, unter deren Dach er sich ermüdet setzte. Er streckte den Fuß aus und wartete, bis einer der Vögel kam und sich darauf niederließ. Er sang; er neigte den Kopf und lauschte.