Ein Silberbach fließt durch die Beete,
Ein Lächeln liegt auf seinem Wasser,
Mitunter strahlt es blitzend auf,
Wie eines Degens glatte Klinge.
Und Tropfen springen aus dem Bache
Ans Ufer, und dort schimmern sie,
Bald dicht gedrängt und bald vereinzelt,
Gleich einem köstlichen Kollier.
Und wer das silberne Gefunkel
Im Rasen sieht, der ist der Meinung,
Es seien Perlen ausgestreut
Auf einen Teppich von Smaragden ...
DER VERLIEBTE DICHTER
IBN HOGGIAT
Einst lebte ein Dichter, der von heftiger Liebe für die schönste seiner Sklavinnen ergriffen war. Aber diese verschmähte den Unglücklichen und ließ ihn ihre ganze Verachtung fühlen. Eines Nachts, als der Dichter allein war, um sich ungestört dem Genuß des Weines hinzugeben, dachte er an die Geliebte und überlegte, auf welche Weise er sie für ihre Kälte und ihren Eigensinn strafen könnte. Da nun der Wein sein Gehirn mehr und mehr verwirrte, erhob er sich plötzlich, besiegt zugleich von der Trunkenheit der Liebe und des Weines. Er ergriff eine brennende Fackel und legte sie an die Tür der Sklavin, um die Schöne samt ihrem Hause zu verbrennen. Schon züngelten die Flammen an der Tür empor ... da eilte man herbei und löschte das Feuer. Man ergriff den Poeten, und bei Tagesanbruch führte man ihn vor den Richter. Dieser fragte den Übeltäter: „Was hat dich hingerissen, das Haus deiner Sklavin in Brand zu stecken?“ Der Dichter erwiderte mit diesen Versen:
„Da mir die Spröde immer widerstrebte
Und mir doch immer heftiger das Feuer
In meiner Brust entzündete, da fand ich
Kein Mittel mehr, der Liebe zu entfliehen,
Und auch kein Mittel, das den Schlaf mir schenkte,
Und also schritt ich hin vor ihre Türe
Und ließ mich nieder, wie ein treues Pferd
Sich vor die Schwelle seines Herren streckt.
Da flog ein Funken, ohne daß ich's wollte,
Von meines Herzens Glutball fort, ein kleiner,
Kaum wahrnehmbarer Funken, und er steckte
Die Tür in Brand ... mein eigner Wille hat
Mit diesem nächtigen Brande nichts zu tun!“
Der Richter hatte seinen Gefallen an dem Poeten. Er fand die Ausrede hübsch erdacht und die Verse reizend. Gerührt durch das Schicksal des armen Verliebten, bezahlte er für ihn die Strafe und schenkte ihm die Freiheit zurück.