FRÜHLING
SOYUTI
O Frühlingstage! Tage des Entzückens!
Die Vögel singen jubelnd um die Wette,
Und aus dem Strauche glänzt die Rose auf,
Weißschimmernd, wie die reine Stirn der Scham,
Oder errötend, gleich den holden Wangen
Furchtsamer Jungfraun.
Seht, das frische Laub
Schwankt hin im Zephir wie ein Mensch, der leise
Im holden Dunste alten Weines schwankt,
Und durch die Ebene sickert sacht der Strom,
So wie der Schlaf sich in die stillen Augen
Der Kinder einschleicht, welche müde sind.
ERINNERUNG
SOYUTI
Nie werd ich diese wundervolle Nacht
Vergessen, da der Vollmond seine Strahlen
Uns bis zum taubeglänzten Morgen lieh.
Wir waren ganz allein; kein Späher hatte
Sein Aug auf uns, – und silbern lief der Strom
Mit Flüstern durch den stillen Schoß der Nacht.
Und dann erschien die Morgenröte: herrlich
Wie funkelnde Rubine, und der Strom
Trieb goldne Fluten durch das blühende Land!