Dorf im Mittag.

Das Dorf liegt aufgebahrt. Ein Wetterriegel
schiebt schwarz sich vor: die Sonne abzusperrn.
Doch die steil abgeschrägten Dächerziegel
halten die Hitze unter rotem Siegel
zitternd von aller Kühle fern.

Verzweifelt strebt der Rauch aus den Kaminen
in den verbleiten Horizont empor.
Die Fenster ruhn verschlossen in Gardinen,
und des Gesindes abgespannte Mienen
beschattet tief des Schlafes Flor,

bis wie ein Traumschrei aus den Schlummerzellen
die Dreschmaschine heult und wie ein Pfeil
in angestrengtem Vorwärtsschnellen
die Luft zerschneidet, messerscharf und steil.

Es kam ein Wind …

Es kam ein Wind von Frühlingsland,
der riß vom Strom das Silberband
und ließ die blauen Schimmerwellen tanzen.

Da fiel der Nebel wie zerschlitzt
ins Uferrohr, das, rot beglitzt,
emporwuchs wie ein Wald von goldnen Lanzen.

Und alle Wiesen wurden wasserfrei,
Alarm beflammte Kuckucksruf und Kiebitzschrei,
bis, losgelassen von den Farmen,

die jungen Pferde Funken schlugen querfeldein,
als müßten sie im Fliegen noch den Stein
vor lauter Blut umarmen.

Stefan Zweig.