Die Rosen leuchten immer noch,
Die dunkeln Blätter zittern sacht;
Ich bin im Grase aufgewacht,
O kämst du doch,
Es ist so tiefe Mitternacht.
Den Mond verdeckt das Gartentor,
Sein Licht fließt über in den See,
Die Weiden warten still empor,
Mein Nacken wühlt im feuchten Klee;
So liebt' ich dich noch nie zuvor!
So hab' ich es noch nie gewußt,
So oft ich deinen Hals umschloß
Und blind dein Innerstes genoß,
Warum du so aus banger Brust
Aufstöhntest, wenn ich überfloß.
O jetzt, o hättest du gesehn,
Wie dort das Glühwurmpärchen kroch!
Ich will nie wieder von dir gehn!
O kämst du doch!
Die Rosen leuchten immer noch.
Richard Dehmel
Ein Stelldichein.
So war's auch damals schon. So lautlos
Verhing die dumpfe Luft das Land,
Und unterm Dach der Trauerbuche
Verfingen sich am Gartenrand
Die Blütendünste des Holunders;
Stumm nahm sie meine schwüle Hand,
Stumm vor Glück.
Es war wie Grabgeruch … Ich bin nicht schuld!
Du blasses Licht da drüben im Geschwele,
Was stehst du wie ein Geist im Leichentuch –
Lisch aus, du Mahnbild der gebrochnen Seele!
Was starrst du mich so gottesäugig an?
Ich brach sie nicht! sie tat es selbst! Was quäle
Ich mich mit fremdem Unglück ab …
Das Land wird grau; die Nacht bringt keinen Funken,
Die Weiden sehn im Nebel aus wie Rauch,
Der schwere Himmel scheint ins Korn gesunken.
Still hängt das Laub am feuchten Strauch,
Als hätten alle Blätter Gift getrunken;
So still liegt sie nun auch.
Ich wünsche mir den Tod.