In dem blauen Salon traf ich die beiden Freundinnen. Ich blieb wie angewurzelt stehen. Die Mädchen sahen so überraschend echt in ihren Kostümen aus, daß ich meinte, ich sähe eine Vision aus der Zeit des ancien régime. Leonore trug ein langes, silberbesticktes Gewand aus blaugrauem Brokat, das hinten schleppte. Hals und Schultern waren frei. Sie trug eine hohe bepuderte Coiffüre, in der eine mattrote Rose steckte. Auf der einen Wange, nahe der Schläfe, lag ein schwarzes Pflästerchen. Ich sah sie zuerst im Profil, sie blickte gegen das Licht zum Fenster hin und hielt spielend einen alten Fächer in der Hand.
Komteß Anna war in Grünblau. Auch sie hatte bepudertes Haar, ihr Gewand war glockenförmig. Sie trat mir lachend entgegen und fragte:
»Wie gefallen wir Ihnen, Marquis?«
»Ich bin hingerissen«, sagte ich, »Sie sollten immer solche Kleider tragen. Auch Sie, Fräulein Helfinger.«
Leonore sah mich an, mit einem Lächeln. Wie wundervoll war die blaßrote Rose in ihrem bepuderten Haar! Wie mädchenhaft hold die Linie von dem feinen Hals zu den Schultern.
»Wahrhaftig, man sollte das malen«, sagte ich, »ganz in Silber und Grau.« Ich kniff die Augen ein wenig zu und betrachtete sie.
Da verschwand das Lächeln von ihrem Mund.
Sie wendete sich ab, fast verdrossen, und sah wieder zum Fenster hinaus, mit verhangenem Blick, als dächte sie an Fernes. Ich sah hinüber zu ihr und dachte: Wie reizend wäre es, wenn ich sie jetzt skizzieren könnte! ...
Nun kamen die andern. Die Gräfin kam in schwarzer Seide, mit grauer Perücke. Der Graf hatte eine Uniform aus der Zeit der Freiheitskriege angelegt. Charlotte trug ein geblümtes Kleidchen von 1830. Auf ihrem offenen Haar, das zu langen Locken gedreht war, lag ein dünner Kranz aus Tausendschönchen. Dieses zarte Kind war wie ein schwebendes Lied, wie eine verwehende Melodie.
Der Assessor trug ein Kostüm vom Schnitt des meinigen, aber in Hellblau. Die Gouvernante hatte ein Gewand aus der Schwedenzeit angelegt. Der Hauslehrer ging in einem altväterlichen Rock mit breiten Aufschlägen aus Samt. Fred und Klaus kamen in ihren Matrosenkitteln und machten bösartige Glossen über die andern.