Ein Diener meldete, daß serviert sei. Alles erhob sich. Zwei große, mit Blumen überschüttete Tafeln waren gedeckt, eine für die Jugend, eine für das Alter. Man setzte sich. Fridolin kam an die Seite eines älteren Mädchens. Er suchte nach Asta und fand sie am andern Ende des Tisches. Sie streifte ihn während der Dauer des Mahles mit keinem Blick. Er hatte das Gefühl, daß es Absicht sei. Sie hatte hin und wieder ein reizendes Lächeln über die Dinge des Gesprächs, wobei der eigentümlich herbe Zug um ihre Lippen nicht verschwand. Sonst war ihr Wesen Ruhe und Gelassenheit. »Du sollst mich noch ansehen«, dachte Fridolin voll Trotz, »Du sollst es noch spüren, wie der Stolz und die Ruhe in Deiner Brust zerbrechen gleich einem Gebäude aus Glas.«

Nach Tisch verteilte man sich wieder in den verschiedenen Zimmern. Als Kaffee herumgereicht wurde, trat Fridolin kurz entschlossen auf Asta zu und sprach:

»Ich werde das Vergnügen haben, Sie morgen zu Tisch zu führen.«

Sie maß ihn etwas verwundert mit den Augen.

»Ah –« machte sie, ohne daß sie Lust zu haben schien, sich in eine Unterhaltung mit ihm einzulassen. Sie roch an der Rose in ihrer Hand, blickte an ihm vorüber und nickte dem Bräutchen zu, das drüben in einem Ring junger Mädchen saß.

Fridolin schwieg absichtlich. Da sah sie ihn wieder mit ihren ruhigen Augen an, und in diesem Blick lag die Frage: Weißt Du sonst nichts zu sagen?

Fridolin dachte: Das ist doch stark. Dann fing er mit Absicht vom Wetter zu sprechen an, was sie mit Gleichgültigkeit über sich ergehen ließ.

Während der kleinen szenischen Aufführungen, wie sie an Polterabenden üblich sind, stand er im Hintergrund, kaute nervös an seinem Schnurrbart und hatte ungleich mehr auf die Schönheit eines blassen Profiles acht als auf die dargestellten Dinge, welche die andern belachten. Astas fein geäderte Schläfen fielen ihm auf. Es war ihm ein wohliges Gefühl, zu verfolgen, wie sich ihr matter Glanz langsam in das üppige Haar verlor.

Nachher kam er noch einmal in ihre Nähe. Ein kleiner Kreis hatte sich auf niedrigen Polsterstühlen zusammen getan, und einige Mädchen pafften Zigaretten in die Luft. Die Braut hatte einen braunen Jagdhund hereingelassen, ihren Liebling, den jeder zu verhätscheln bestrebt war. Am meisten schien er sich zu Asta hingezogen zu fühlen, die auch am besten mit ihm umzugehen wußte. Während sie ihm freundlich über Kopf und Rücken fuhr, griff auch Fridolin nach ihm. Er tat es zu lebhaft, und das Tier stieß einen Kleffer aus. Asta sah den Ungeschickten strafend an, stieß seine Hand fort und sagte barsch:

»Lassen Sie den Hund.«