Fridolin richtete sich auf und maß sie mit kühlem Auge. Er fühlte sich nicht veranlaßt, irgend etwas zu entgegnen. Es reizte ihn und wurde ihm bald eine heimliche Freude, sie ebenso rauh und abweisend zu behandeln, wie sie ihn.
Die Damen zogen sich zur Ruhe zurück. Die Herren gruppierten sich noch um eine gemeinsame Tafel, rauchten und tranken Bier, russischen Kümmel und Danziger Goldwasser. Als es eins schlug, gingen auch sie auseinander, um sich für den folgenden Tag ihre Frische zu bewahren.
Fridolin wurde, während er zu Bett lag, das Gefühl von Astas heftig stoßender Hand nicht los. Es war klar, sie hatte es mit Absicht vermieden, freundlich zu ihm zu sein. Er sah nachdenklich einem viereckigen silbernen Flecken zu, der langsam über die Tapete wanderte, ein Stück von dem Mondlicht, das durch die unverhangenen Scheiben fiel. Dann lächelte er, schloß die Augen und schlief langsam ein.
Nicht weit von ihm war das Zimmer, in dem Asta schlief. Sie war voll Unruhe, wachte mehrmals auf, sah immer dieselbe lange, biegsame Gestalt mit den ruhigen Augen, wollte sie nicht sehen, biß sich die Lippen wund und lauschte auf den Frühjahrswind, der draußen in kurzen Stößen durch den Garten fuhr.
Für den Mittag des nächsten Tages war die Trauung angesagt. Asta erschien in rosa Seide. Sie sah blasser aus als gestern. Um den Ausschnitt der Brust zog sich ein feiner Gazeschleier, und ein Hals kam zum Vorschein, schlank und zart wie der Stengel einer Blüte. Fridolin trat zu ihr und reichte ihr einen Strauß aus weißen Rosen. Sie drückte ihn wohlig an ihr Gesicht und warf Fridolin einen Blick entgegen, über den er erschrak. So hatte sie ihn noch nicht angesehen.
»Welch schöne Blumen«, sagte sie. Sie vergrub sich ganz hinein und sog den Duft auf.
Fridolin schwieg. Sie warf einen Pelz über, und er half ihr in einen der Landauer, die zur Kirche fuhren. Noch ein andres Paar saß mit in dem Wagen. Sie waren ziemlich die letzten, die in der kleinen Kirche anlangten. Bald kam das Brautpaar, man ordnete sich, und während die Orgel einsetzte und die Kinder auf dem Chore sangen, schritt man langsam nach vorn an den Altar. Asta hing am Arme Fridolins. Er fühlte sie kaum. Sie ging gerade aufgerichtet, sehr stolz und sehr ruhig. Er sah mit flüchtigem Blick ihr Profil, das feine Kinn, die süßen Schläfen, den Hals. Da erlaubte er sich, ihren Arm ein wenig fester an sich zu drücken. Sofort fühlte er, daß der Zug um ihre Lippen noch herber wurde.
Dann standen sie am Altar nebeneinander. Das Gefühl, sie so dicht an seiner Seite zu haben, beglückte ihn. Nach einer Weile flüsterte sie: »Mich friert.« Fridolin sah sich um, bemerkte einen Offiziersmantel über einem Stuhl, nahm ihn und legte ihn um Astas Schultern. Nun war es reizend zu sehen, wie sie in diesem Mantel, der sie so gut kleidete, dastand, gerade und schlank, blauen Auges, jung, schön, einer spröden Knospe vergleichbar.
»Schöner als jetzt«, sagte Fridolin leise, »können Sie niemals sein.«
Sie tat, als höre sie ihn nicht. Doch rieselte etwas durch sie hin, lau und wohlig, und sie fühlte, es drohte etwas umzukippen in ihr. Für einen Augenblick freilich nur.