»Ja. Vielleicht sollte ich auch jetzt nicht anders zu Ihnen sein.«

»Warum?«

»Weil ich zu wissen glaube, wer Sie sind. Ich glaube, es sind Mauern, die sich zwischen meinem und Ihrem Gefühl erheben. Sie verstehen die Mädchen vielleicht zu lieben, – ihre Liebe zu achten verstehen Sie nicht.«

Fridolin war erstaunt. So offen hatte man noch nicht zu ihm gesprochen. Eine Pause trat in der Unterhaltung ein. Sie sah ihn an und mußte lächeln.

Der Jagdhund war wieder im Zimmer, strich zu Asta hin und schmiegte sich an ihre Füße. Sie neigte sich und fuhr mit der Hand liebkosend über sein Fell. Auch Fridolin tat, als streichle er das Tier. In Wirklichkeit aber griff er nach Astas Hand, löste sie energisch von dem Fell des Tieres los und hielt sie fest. Sie ließ es geschehen, ihr war, als müßte sie ihm wehren, aber ein schlaffes, willenloses Gefühl beherrschte sie. So saßen sie eine Weile, schweigend, Hand in Hand, während die andern meinten, daß sie mit dem Hunde beschäftigt seien. Fridolin sprach leise durch die Zähne hin: »Asta«. Da war es, als besänne sie sich wieder; als bäume sich etwas in ihr auf. »Lassen Sie mich los!« flüsterte sie energisch, indem sie sich aufreckte. Und als Fridolin sich nicht bequemte, ihrem Verlangen nachzukommen, noch einmal und heftiger: »Lassen Sie mich los!«

Fridolin gab die Hand frei. Sie sahen sich nicht an, und eine Weile sprachen sie nichts. Dann kamen wieder die gleichgültigen Worte. Hinter diesen aber brannte es rot in Fridolin: Ich liebe Dich! – und sein Gefühl war wirr und dunkel. Er wußte, hier war etwas seltsam Hohes und Keusches, etwas, von dem er fühlte, daß man es lieben könnte sein Leben lang; dann aber sah er blitzschnell Fesseln und enge Wege vor sich, und »Freiheit! Freiheit!« sang sein Herz. Und auch in Asta sah es wirr aus. Wie ein Bach im Frühling rauschte es in ihr; aber machtvoll trotzte sie dagegen auf: »Ich will nicht!«

Den Kaffee nahm man im Gartenzimmer, jetzt einer Art Wintergarten, in dem Palmen und Oleanderbäume standen. Es war fast dunkel geworden. Für eine Weile öffnete man die Glasflügeltür, und nun konnte man über dem Garten das Licht der ersten Sterne funkeln sehen. Der kühle Geruch taugenäßter Wiesen drang herein. Eine Wiesenschnarre lärmte in der Ferne, in harten, unmelodischen Lauten. Dann lauschte man einem Schwarm unsichtbarer, schnellfliegender Kraniche, die aus der dunkeln Luft herunterschrien.

»Welch schöner Abend«, sagte Asta, »später werden wir Mondschein haben.«

Fridolin saß neben ihr, an einem Tischchen, hielt eine Tasse Kaffee in der Hand und sah hinaus.

»Ja«, sagte er, scheinbar abwesend.