[241] Springer sagt S. 583: „B. soll in einer Volksversammlung vom 23. October den Wienern zugerufen haben: „Ihr müßt noch 200 Aristokraten latourisiren.“ “ Keiner der gleichzeitigen Berichte über diese Versammlung in den Wiener (auch nicht in den radicalsten) Blättern erwähnt jedoch diese Aeußerung. Eine Quelle giebt Springer überhaupt nicht an. Und selbst Herr v. Helfert vermag nicht zu behaupten, wann die angebliche Aeußerung gefallen sei; in seiner Version der Rede Blum’s vom 23. October führt er diese Worte ausdrücklich nicht auf.
[242] Dieser Lüge hat übrigens auch schon Fenner v. Fenneberg, der Generalstabschef Messenhausers in einem Schreiben an die Augsb. Allg. Ztg., datirt „von der rauhen Alp“, vor dem 27. November widersprochen. Dresdner Journal vom 27. November, S. 1934, Sp. 2.
[243] Diese Thatsachen werden von Springer, Helfert, Nordstein übereinstimmend mitgetheilt. Ihr Urtheil darüber geht natürlich weit auseinander.
[244] Er war als „Tornisterkind“ (Helfert) 4. Januar 1813 geboren, 1829 Gemeiner, 1832 Fähndrich, 1839 Lieutenant, 1845 Oberlieutenant geworden und blickte sehnsüchtig hinüber in die reiche Culturwelt Deutschlands, die den österreichischen Unterthan und vollends dem österreichischen Offizier damals gänzlich verschlossen war. Er begann zu schriftstellern und da nur die Lumpen bescheiden sind, so verlangte er für eines seiner dickleibigen ungedruckten Erstlingswerke, die „modernen Argonauten“, von der Firma Max in Breslau nicht weniger als 18 Friedrichsd’or Honorar pro Druckbogen. Natürlich erhielt er das Manuscript mit einer „abschlägigen und die Honorarsforderung fast belächelnden Antwort“ zurück. Glücklicher war er mit seinen novellistischen Versuchen: 1847 erschienen sie in Wien gesammelt unter dem Titel „Wildniß und Parquet.“ Die Kritik stellte sie theilweise „über den Beherrscher einer wundervollen Prosa Adalbert Stifter“ (Helfert). Er machte im Herbst 1847 eine größere Reise über Leipzig, Frankfurt a. M., München und Wien. Thomas in Leipzig nahm seine „Ernsten Geschichten“ in Verlag. Die Vorrede zu diesem Werke war „bei der ersten Nachricht vom Sturz der Juliusdynastie“ geschrieben; in dem Buche selbst sollte „die schauerliche Erhabenheit des starren Absolutismus“ den Leser „mit heilsamem Entsetzen erfüllen und Entschlüsse von Besonnenheit, Rechtsgefühl und Hochherzigkeit in ihnen wachrufen.“ Dieser unklaren, erhitzten Phantasie mußten die Märztage des Jahres 1848 besonders gefährlich werden. „Mein Wissen für den Tag ist Louis Blanc, den, ich, wie ich glaube, auswendig weiß,“ schrieb er damals an einen Freund. In dem Comité zur Organisirung der Lemberger Nationalgarde nahm er mit Bewilligung seiner Vorgesetzten eine Stelle an, neben ihm wirkte Bem. Messenhauser ließ sich hier bald in politische Dinge ein. Sein Vorgesetzter Baron Hammerstein lud ihn vor und befahl ihm, augenblicklich nach Wien zum dritten Bataillon abzureisen. Hier angekommen, gab Messenhauser seine Entlassung ein und weigerte sich vor dem Platzcommando in Uniform zu erscheinen, weil er nicht länger die äußeren Abzeichen einer Körperschaft tragen könne, deren Dienst „seine tiefsten Ueberzeugungen stündlich in die größte Gefahr zu setzen die Lage hat!“ und mußte für diesen Frevel drei Tage Profosenarrest im Stabsstockhause absitzen. Am 31. März wurde er dann „gegen Ausstellung des üblichen Reverses, weder gegen das allerhöchste Erzhaus, noch gegen dessen Alliirte zu fechten“ aus dem Militairdienst entlassen. Er wurde nun Journalist und Schriftsteller, gründete in zwanglosen Heften „die Volkstribüne“ und schrieb zwei ungelesene platte Sammlungen der Schlagwörter des Tages unter dem Titel: „der staatsbürgerliche Rechtsschatz“ und „der politische Rechtsschatz des deutschen Volkes“ während seine Schrift „Wie muß die Nationalgarde exerzirt werden?“ rasch sechs Auflagen erlebte und seinen Namen bekannt und volksthümlich machte. Er lebte bis zum Oktober „in der fast siedlerischen Einsamkeit eines Schriftstellerthums.“ —
[245] Zu vergleichen seine Eingabe an das Kriegsgericht. Helfert, Bd. 3, Anhang S. 46 fg.
[246] Springer, S. 572
[247] Fröbel’s Briefe, S. 11 fg., und dessen Rede in der Paulskirche vom 18. November. St. B. S. 3419.
[248] Helfert, 1. Bd. S. 129.
[249] Da dieser Brief schon von Frey, Robert Blum, abgedruckt worden ist und Helfert Frey citirt (Bd. 3, S. 107 des Anh. und a. a. O.). Der Brief trägt den Poststempel Dresden, 27. October. Das beweist, daß am 20. keine Post mehr von Wien passirte.
[250] Helfert, 1. Bd. S. 75.