Daß Robert Blum, als er nach Frankfurt gekommen, die Republik in Deutschland für erreichbar hielt und darauf hinarbeitete, kann ihm daher an sich weder den Vorwurf mangelnder politischer Einsicht noch den Tadel undeutscher Gesinnung zuziehen. Er theilte mit Hunderttausenden seiner Mitbürger einen Irrthum, den er schwerer als Alle gebüßt hat. Aber er unterschied sich zu seinem Vortheil von Tausenden dieser Mitbürger und einer großen Anzahl seiner Meinungsgenossen im Vorparlament und Parlament dadurch, daß er die Verwirklichung seines Ideals, der deutschen Republik, nur auf gesetzlichem Boden, d. h. dem einzigen gesetzlichen Boden, der damals noch vorhanden war, durch den Beschluß der Nationalversammlung selbst erstrebte, dagegen jede bewaffnete Erhebung mißbilligte, welche versuchte, außerhalb des Parlaments auf dem Wege der Gewalt die republikanische Staatsform zu erzwingen. Diese eine Thatsache sollte man ihm vor Allem nicht vergessen. Von jenen Apriltagen an, da Struve und Hecker das Banner der Revolution im Badischen Seekreis und im oberrheinischen Schwarzwald erhoben, bis zu jenem letzten fluchwürdigen Angriff auf die Freiheit und Selbständigkeit der Deutschen Nationalversammlung in den Frankfurter Septembertagen hat Robert Blum seine Stimme und seinen Einfluß jedesmal gegen die Friedensstörer erhoben, die unter dem Namen der Freiheit ihren souverainen Willen durchzusetzen suchten. Jedermann kann ermessen, wieviel gefährlicher und ausgedehnter jene revolutionären Schilderhebungen geworden wären, wie weite Kreise des Volkes sie ergriffen hätten, wenn Robert Blum seinen Einfluß bei den Massen und im Parlament für die Revolution verwandt hätte, statt gegen sie. Diesem seinem maßvollen und loyalen Verhalten dankte er zumeist den Verlust des Gutes, das er in größter Fülle sein eigen nannte, der Gunst und Liebe der Massen.
Schwerer als der Tadel, daß Robert Blum und seine Freunde von Anbeginn ihres parlamentarischen Wirkens an republikanischen Plänen nachhingen, wiegt gewiß der andere Vorwurf: daß es die Pflicht der Frankfurter Linken gewesen sei, von ihrer republikanischen Herzensneigung abzulassen und den Boden einer Vereinigung auf monarchischer Verfassungsgrundlage zu suchen, sobald die Linke erkennen mußte, daß die große Mehrheit des Vorparlamentes, des Fünfziger-Ausschusses und des Frankfurter Parlamentes niemals eine republikanische Staatsverfassung für Deutschland beschließen würde, vielmehr durchaus monarchisch gesinnt sei. Indessen auch dieser Vorwurf wird doctrinär vom Standpunkt unsrer völlig veränderten heutigen Staatsverhältnisse aus erhoben, er vermischt mindestens Wahres mit Falschem.
Gegründet ist an diesem Vorwurf, daß die Linke fast während ihrer ganzen politischen Wirksamkeit sich nicht in die Rolle einer parlamentarischen Minderheit zu schicken vermochte, immer wieder die Prätension erhob, daß ihre Meinung die des wahren Volkes, des Volkes schlechtweg sei, während die Mehrheit nur die Meinung der durch die Revolution ausrangirten Regierungsunfähigkeit vertrete. Dieser Anspruch war ebenso anmaßend als lächerlich. Niemals ist der Radicalismus wohlfeiler und müheloser zu parlamentarischem Wirken gekommen, als im Vorparlament. Wer nur irgendwie sich jemals mit Politik in Deutschland befaßt hatte und sich nur des geringsten öffentlichen Vertrauens erfreute, konnte sich von irgendwem ein Mandat zum Vorparlament geben lassen und war sicher, daß man seine Legitimation gelten ließ. Es kann auch durchaus nicht behauptet werden, daß der Radicalismus sich dieser glücklichen Lage allzu verschämt bedient hätte. Es genügt hier zum Beweise, auf die offiziellen Abstimmungslisten des Vorparlaments zu verweisen[112]. Daraus ersieht man zugleich, wie viele Sitze des Vorparlaments einige der Länder und Ländchen für sich in Anspruch nahmen, die dem Radicalismus besonders zugänglich waren. Auch die Wahlen zum Deutschen Parlament brachten die Meinung des „Volkes“ zum denkbar freiesten Ausdruck. Auf 50,000 Seelen wurde ein Abgeordneter gewählt; jeder volljährige selbständige Staatsangehörige war wahlfähig und wählbar[113]. Selbst die „politischen Flüchtlinge, die nach Deutschland zurückkehrten und ihr Staatsbürgerrecht wieder antraten,“ sollten wahlberechtigt und wählbar sein[114]. Zudem fanden die Wahlen so bald nach den Revolutionswochen statt, daß die monarchischen Parteien in vielen Ländern Deutschlands eben so wenig, als wie das oben für das Königreich Sachsen nachgewiesen wurde, sich bereits fest und thatkräftig aneinandergeschlossen hatten. Am wenigsten konnte etwa bei den Parlamentswahlen irgendwo von Entfaltung eines übermächtigen Regierungseinflusses die Rede sein. Die Mehrheit des Parlaments wie des Vorparlaments war daher mit ihrer monarchischen Tendenz gewiß der wahre Ausdruck der großen Mehrheit des Deutschen Volkes. Auch hat Robert Blum für seine Person im Vorparlament sowohl, als später im August vor seinen Wählern in Leipzig in seiner Schützenhausrede die Unterwerfung unter den Willen der Mehrheit für die oberste Pflicht jeder parlamentarischen Partei und für die Vorbedingung jeder parlamentarischen Thätigkeit erklärt. Gleichwohl hat er geschehen lassen, daß in seiner Presse (in den Vaterlandsblättern und der von ihm in Frankfurt gegründeten und herausgegebenen Reichstagszeitung) die „Mehrheit“ fort und fort als im Widerspruch mit der Volksmeinung stehend angegriffen und verleumdet wurde, und auch durch seine ganze Privatcorrespondenz zieht sich derselbe völlig unbegründete Vorwurf, die beinahe kindliche Hoffnung, das „Volk“ würde sich demnächst mit Entrüstung in einer feierlichen Form von der Mehrheit des Parlaments lossagen und insgesammt der Linken zukehren. Der Zeitpunkt, wann dieses Pronunciamento eintreten müsse, wird von Blum Anfangs auf den Sommer, dann auf den Herbst oder Winter, dann auf das kommende Frühjahr (1849) angesagt — deutlich verräth dieses haltlose Prophezeihen die Schwäche der Stellung des sonst so klaren Mannes.
Dagegen erscheint das Verlangen, die Linke hätte sich im Wege des Compromisses oder sonstwie dem Standpunkt der monarchischen Rechten schon im Vorparlament oder doch in den ersten Monaten der Thätigkeit der Deutschen Nationalversammlung annähern und unterwerfen sollen, absolut ungerecht, weil damals unausführbar. Die siegreiche Mehrheit war in sich selbst über die wichtigsten Fragen noch keineswegs einig; am wenigsten über die allerwichtigste, die Grundzüge der künftigen Staatsverfassung Deutschlands, so daß selbst noch 1849 bei der entscheidenden Abstimmung über das erbliche preußische Kaiserthum nur eine Majorität von vier Stimmen, und zwar von vier österreichischen Stimmen, sich für das preußische Kaiserthum erklärte[115]. Aber neben dieser sehr schwer wiegenden sachlichen Unmöglichkeit einer Verschmelzung der beiden großen Hälften des Frankfurter Parlamentes, waren auch persönliche Hindernisse vorhanden, die wohl zu würdigen sind. Wie in Sachsen seit den Augustereignissen des Jahres 1845 die gemäßigt liberalen Elemente sich von den radicalen unter Blum’s Führung mehr und mehr geschieden hatten, wie sie nur in den ersten Wochen nach der Revolution durch den Drang der Noth wieder vereinigt waren und Schulter an Schulter den Sturz des alten Systems gemeinsam erzwungen hatten, dann aber sofort der alte Zwiespalt unter ihnen wieder hervortrat, so hatten die Märzwochen auch in Süddeutschland überall eine tiefe Spaltung zwischen denselben Parteistandpunkten vollzogen. Für Blum war der Anblick überaus befremdend, daß er Männer wie Welcker, Mathy, v. Soiron, Bassermann &c., mit denen er bis dahin theilweise in vertrautem Briefwechsel gestanden[116], Männer, die Blum insgesammt noch 1845 in begeisterten Ausdrücken für sein Verhalten während der Augusttage belobt hatten, mit einem Male im Lager und als Wortführer seiner Gegner fand. Zudem hat der alte verschlagene Itzstein gewiß nicht ermangelt, die Abneigung Blum’s gegen diese früheren Freunde dadurch künstlich zu steigern, daß er Blum diese Männer in den schwärzesten Farben als Verräther an der Sache des Volkes brandmarkte. Bald äußert sich der Schmerz über diese Wahrnehmung bei Blum in der Form tiefster Verachtung der einstigen Kampfgenossen: „diese Lumpen, die jahrelang als freisinnig und entschieden galten, die man verehrte, sie sind jetzt Stillstands- und Rückschrittsmenschen“, schreibt er am 3. Mai seiner Frau. „Die Tyrannei ist überwunden, aber dieses feige Geschlecht stellt sich in den Weg auf der Bahn zur Freiheit. Wir könnten Deutschland regieren“ (im Fünfzigerausschuß) „und dieses Volk ist zu erbärmlich, die losen Zügel zu ergreifen, ja hält die Andern noch davon ab“. Es war rein unmöglich, daß Männer zusammengehen sollten, die so übereinander dachten, schrieben[117]. Es gehörte ein längeres gemeinsames Arbeiten im Dienste des Vaterlandes dazu — ein längeres, als es Blum zu erleben beschieden war — um zunächst eine gerechtere gegenseitige Würdigung zu erzeugen und dadurch den Boden für ein compromissarisches Zusammengehen zu schaffen.
Endlich kam aber zu diesen persönlichen Verstimmungen auch eine Verschiedenheit der Stellung beider Parteien den Regierungen gegenüber, welche vorläufig eine Annäherung ihrer Ansichten unmöglich machte. Die Linke hatte einen unleugbaren Vorzug vor der Mehrheit des Parlaments: sie stand den Regierungen ganz frei, kritisch und sogar mißtrauisch gegenüber. Jede Handlung des reactionären Particularismus, welche die Souverainetät der deutschen Nationalversammlung verkümmern könnte, fand in den ersten Monaten an der Linken zu Frankfurt die unerbittlichste Richterin. Jede Regung des monarchischen Bewußtseins überwachte sie mit Argusaugen. Die Erstarkung reactionärer, der nationalen Entwickelung feindseliger Pläne wies sie schon bei deren erstem Auftauchen klar und bestimmt nach und verlangte deren Vereitelung, woher sie immer kamen. In der Mehrheit des Frankfurter Parlamentes waren dagegen gerade den weitest Denkenden, den mit den maßgebenden Regierungskreisen Preußens u. s. w. am engsten Vertrauten, die Hände in dieser Hinsicht gebunden. Sie konnten nicht die Krone brüskiren, die sie im Stillen zur Deutschen Kaiserkrone zu erhöhen gedachten. Ein ähnlicher Unstern waltete damals über Deutschland, wie in der Conflictszeit von 1863 an. Niemand wird das Verhalten des damaligen preuß. Abgeordnetenhauses gerecht beurtheilen allein nach dem Standpunkte von heute, da wir wissen, welche Pläne Bismarck mit der Militairreorganisation verfolgte. Noch viel weniger aber darf das Verhalten der Linken des Frankfurter Parlaments beurtheilt werden nach den Kenntnissen, die wir heute von der geheimen Correspondenz zwischen den Führern der Frankfurter Mehrheit mit Bunsen, Stockmar, Radowitz, König Friedrich Wilhelm IV., Prinz Wilhelm, Prinz Albert, und zwischen Bunsen und Friedrich Wilhelm IV., Stockmar und Prinz Albert, König Leopold u. s. w. — besitzen. Und wenn die Linke selbst diese Kenntniß damals besessen hätte — wäre ihr Verhalten nicht wenigstens zum Theil gerechtfertigt, wenn sie z. B. den Brief gekannt hätte, den König Friedrich Wilhelm IV., der projectirte Deutsche Kaiser, am 13. December 1848 an Bunsen schrieb? „Die Krone ist erstlich keine Krone. Die Krone, die ein Hohenzoller nehmen dürfte, wenn die Umstände es möglich machen könnten, ist keine, die eine, wenn auch mit fürstlichen Zustimmungen eingesetzte, aber in die revolutionäre Saat geschossene Versammlung macht (dans le genre de la couronne des pavés de Louis Philippe), sondern eine, die den Stempel Gottes trägt, die den, dem sie aufgesetzt wird, nach der heiligen Oelung von „Gottes Gnaden“ macht, weil und wie sie mehr denn 34 Fürsten zu Königen der Deutschen von Gottes Gnaden gemacht hat. Die Krone, die die Ottonen, die Hohenstaufen, die Habsburger getragen, kann natürlich ein Hohenzoller tragen; sie ehrt ihn überschwänglich mit tausendjährigem Glanze. Die aber, die Sie meinen, verunehrt überschwänglich mit ihrem Ludergeruch der Revolution von 1848, der albernsten, dümmsten, schlechtesten, wenn auch Gottlob nicht bösesten dieses Jahrhunderts. Einen solchen imaginären Reif, aus Dreck und Letten gebacken, soll ein legitimer König von Gottes Gnaden und nun gar der König von Preußen sich geben lassen, der den Segen hat, wenn auch nicht die älteste, doch die edelste Krone, die Niemand gestohlen worden ist, zu tragen?“
Gewiß haben die edeln Patrioten, die im Frühjahr 1849 den Muth besaßen, trotz aller Schwächen und Fehler dieses Königs, ihm die deutsche Kaiserkrone anzubieten, um die Arbeit eines ganzen Jahres, die Hoffnungen der großen deutschen Erhebung zu retten, das volle Recht gerade auf die Schwäche und Fehler dieses Königs zu verweisen, wenn man ihnen allein das Scheitern des ganzen Verfassungswerkes beizumessen versucht. Aber auch Derjenige, der über die Gegner der Erbkaiserpartei, die Frankfurter Linke, namentlich in ihrem Verhalten vom April bis October gerecht urtheilen will, muß nachdrücklich hinweisen auf die Schwächen und Fehler dieses Königs, der eine so spröde Auffassung seines Königsberufs hatte, der im März das Haupt entblößte vor den Särgen der Märzgefallenen und bereit war, „Preußen in Deutschland aufgehen zu lassen“, der Anfang Mai in seinen Briefen an Dahlmann elegisch von dem „alten Erzhaus Oesterreich“ sprach, das „wieder an die Spitze Deutschlands gestellt werden müsse“, während er sich mit dem Amt eines „Erzfeldherrn“ begnügen wolle, der gleichzeitig schrieb: „sollte das Volk sich unterstehen, ihm die Krone anzubieten, so müsse man mit Kanonenschüssen darauf antworten“, der bei dem Kölner Dombaufest im August die Deputation des Frankfurter Parlaments daran mahnte, daß es „noch Fürsten in Deutschland gebe, und daß er einer der ersten sei“, und dann wieder im September Frankfurt „als Herd der Revolution“ bezeichnete. Kurz, wer gerecht über alle Parteien des Frankfurter Parlaments urtheilen will, muß berücksichtigen, daß der Kroncandidat der Kaiserpartei der schwankendste, romantischste, eigenwilligste und am wenigsten pflichtbewußte König war, der jemals auf dem preußischen Throne gesessen hat.
Alle diese Erwägungen werden indessen nicht hinreichen, das tiefe Bedauern darüber zu beseitigen, daß Robert Blum den politischen Standpunkt in Frankfurt einnahm, auf den er, besonders in der Nationalversammlung, sich stellte. Denn gewiß ist die Frage gerechtfertigt, ob nicht der Ausgang der deutschen Bewegung von 1848 ein für die ganze Nation günstigerer gewesen wäre, wenn Robert Blum mit seinem Talent, seinem Einfluß und seinem Anhang im deutschen Parlament jene vermittelnde Rolle weiter gespielt hätte, die er im Vorparlament mit Glück und Erfolg übernahm, und die erst lange nach seinem Tode sein treuer Freund Heinrich Simon im Parlament wieder aufnahm. Doch abgesehen von dieser Frage der Conjecturalpolitik muß selbst Derjenige, der Robert Blum am pietätvollsten und mildesten beurtheilt, auch aus persönlichen Gründen jenes Bedauern äußern. Denn durch die Festhaltung jenes politischen Standpunktes geräth der Charakter des Führers der Frankfurter Linken in jenes schillernde und schwankende Licht, in dem seine Gegner ihn bisher am liebsten vorgeführt haben. Der Mann, der es mit Deutschlands Größe und Einheit gewiß so tief ernst meinte, wie irgendwer in Frankfurt, greift zur Verwirklichung seines republikanisch-demokratischen Ideals schließlich zu dem verwerflichen Versuche, den Particularismus radical-demokratischer Einzellandtage zu entfesseln gegen das Verfassungswerk der monarchischen Mehrheit des Frankfurter Parlaments. Er, dessen Wort und Wille daheim wie in weiten Kreisen des deutschen Volkes im März und April 1848 am meisten galt, muß schon im September 1848 erkennen, daß die Grundvesten seines politischen Wirkens daheim wie in Frankfurt durch seine eigene Haltung vollständig unterwühlt sind und die Erkenntniß dieser Unhaltbarkeit seiner Stellung reift den Entschluß zu jener unseligen Reise nach Wien, in dessen verworrener Bewegung der klare Mann unverdient plötzlich seinen Tod findet.
Wenn man daher auch tief beklagen muß, daß Robert Blum seine Thätigkeit im Deutschen Parlamente nach einem von Haus aus unerreichbaren Ziele richtete, so erscheint andererseits sein Charakterbild auf diesem Höhepunkt seines politischen Wirkens in edelster Reinheit und Größe. Voll entfaltete sich hier sein hohes natürliches Talent. Er war der anerkannte Führer der Linken. Auch die Gegner waren bezaubert von der gewaltigen Macht seiner Reden. Sie sind getragen von tiefster, innerlichster Ueberzeugung. Sein monatelanges Wirken in Frankfurt war aber auch ein Beispiel von Pflichterfüllung im Dienste des Vaterlandes, eine so hingebende Aufopferung aller persönlichen Interessen, wie sie wenige unter den sechshundert Abgeordneten der Paulskirche dargebracht haben mögen. Denn Blum zog nach Frankfurt ohne irgend nennenswerthe Mittel, fort von einem kaum gegründeten jungen Geschäft, das ihn und die Seinen unmöglich schon nähren konnte. Die Abgeordnetendiäten reichten nicht einmal für ihn allein, geschweige denn für die Seinen. Unter drückenden Sorgen um’s Dasein hat er seine Pflicht für das Vaterland gethan. Aber er hat sie erfüllt ohne Murren: denn nun waren die Tage gekommen, die er schon kommen sah, ehe er seinen Herd begründete, die ihn zu höherem Wirken beriefen, als zur Sorge für Weib und Kind und Haus. Nur in den vertrauten Briefen an die Gattin kommen Klagen zum Ausdruck über die schwere Sorge des Daseins, die ihm beschieden ist zu all den Sorgen und Mühen seiner parlamentarischen Stellung.
An der Hand dieser allgemeinen Bemerkungen dürfte es leichter sein, einen Ueberblick und ein Gesammturtheil über Robert Blum’s Haltung im Frankfurter Parlament zu gewinnen.
Auch der gerechte Gegner wird ihm Anerkennung und Lob nicht versagen können für das, was er im Vorparlament und Fünfzigerausschuß geleistet hat.