Am 28. früh wurde die „Schlacht“ überall aufgenommen. Der planmäßige Hauptangriff auf die Vorstädte begann. Schauerlich dröhnten die Sturmglocken des Stephansthurmes über die bedrängte Stadt. Die Mobilgarden eilten an die gefährdetsten Punkte, Jägerzeile und Landstraße. Wo Bem persönlich befehligte, war die Vertheidigung zäh. Aber unhaltbar war in dem mörderischen Geschützfeuer der Angreifer auch die festeste Barrikade. Triumphirend konnte der Feldmarschall des Abends nach Olmütz telegraphiren: „Die Truppen sind nach neunstündigem Barrikadenkampfe der Disposition gemäß in die Vorstädte Landstraße, Leopoldstadt und Jägerzeile eingedrungen und haben dieselben bis an die Wälle der (innern) Stadt besetzt.“ Daß ein furchtbarer Flammengürtel rings um die innere Stadt zum Himmel lohte und die Bahn der Sieger bezeichnete, telegraphirte der Fürst nicht nach Olmütz. Auch von den furchtbaren Gräueln seiner braven Soldaten hatte er nichts zu melden, noch weniger suchte er dem barbarischen Morden, Schänden und Plündern dieser Horden Einhalt zu thun. Er war ja gekommen, um der Stadt Ruhe und Ordnung zu bringen. Und in der That konnte es nichts Ruhigeres geben, als die Grabstätten der von der Soldateska des Herrn Fürsten hingeschlachteten wehrlosen Bürger, Weiber und Kinder; nichts Ordentlicheres als die von den zuchtvollen Siegern bis auf’s Letzte ausgeplünderten Wohnstätten, namentlich wenn der für solche Fälle bereit gehaltene rothe Hahn die etwa noch vorhandenen Spuren der Unordnung getilgt hatte. Herr v. Helfert und neben ihm sein „glaubwürdiger“ Herr Dunder[283] sind gewiß die Letzten, welche Fürstlich Windischgrätzischen Truppen Böses nachsagen werden. Und doch muß Herr v. Helfert[284] zugestehen, daß „es in den eroberten Vorstädten von Seiten der siegestrunkenen Soldaten gräulich zuging. Es läßt sich für Acte solchen Charakters keine Entschuldigung vorbringen, nur eine Erklärung.“ Und diese Erklärung ist die schwerste Anklage, die der geschworenste Feind des Fürsten hätte ersinnen können. Sie lautet: „Von mehr als einem Offizier hatten die Soldaten den Aufruf (?) vernommen: „wenn sie nach Wien kämen, dürften sie das Kind im Mutterleibe nicht schonen“ “[285]. Muß sich da nicht die Frage regen, ob solche frevelhafte Reden der Offiziere, die nicht blos der Anstiftung, sondern dem Befehl zu ruchlosesten Mordthaten gleichkamen, ohne Wissen und Billigung des Fürsten zugelassen worden seien? Die fürchterlichen Gräuel, welche Helfert nun Seiten lang aufs Einzelnste erzählt, mit so eisiger Gelassenheit wie Machiavelli den Mord von Sinigaglia, kann man sonst nur noch in Indianergeschichten wiederfinden. Eine weitere Mißbilligung hat Herr v. Helfert nicht für dieselben, noch weniger für den Feldherrn, der sie zuließ. Im Gegentheil wird der letztere am Ende dieser haarsträubenden Frevel von Herrn v. Helfert zum „menschenfreundlichen Feldherrn“ befördert. Uebereinstimmend mit Dunder[286] bestätigt v. Helfert auch, daß das Plündern und Würgen erst am Morgen des 29. aufhörte, erst da die Soldaten zusammengezogen wurden. Am 29. Nachmittags waren in der Matzleinsdorfer Kirche 19 Leichen Ermordeter ausgestellt, „damit jede Familie die ihrigen (!) herausfinden möge, und am 30. führte man aus der Johannagasse und vom Hundsthurmer Walle 57 Todte“ (Ermordete) fort. „Die das Militair vor die Linie hinausgeführt und dort erschossen und begraben hatte, waren nicht dabei“ (Helfert und Dunder). „Man hält sie alle für schuldlose Opfer. So viel ist gewiß, daß von allen 57 Todten nicht einer in der Gegenwehr gefallen ist und ebenso sicher ist es, daß keines der Häuser in der Johannagasse durch das Bombardement angezündet wurde, sondern einzig und allein durch die Rache und den Muthwillen der Soldaten, mitunter auf das Geheiß ihrer Offiziere.“ (Dunder). Die Soldaten, die so wütheten, waren nicht Kroaten, sondern böhmische und galizische Kerntruppen (von den Regimentern Paumgarten, Latour, Parma, Nassau) und Jäger (Helfert).

Daß die Stadt nicht mehr zu halten sei, war nun (am Abend des 28.) die allgemeine Ueberzeugung. Einige der unbezwungenen Vorstädte, Rossau und Wieden, ließen Messenhauser erklären, daß sie keinen Befehl zur Wiedereröffung der Feindseligkeiten mehr annähmen und lieferten die Waffen ab. Am Spätabend versammelte Messenhauser seinen Kriegsrath in der Stallburg. Die große Mehrzahl sprach und stimmte für Unterwerfung, da es besonders an Munition fehlte. Messenhauser schlug eine neue Deputation an den Fürsten vor, „um ihn zu halbwegs menschlichen Bedingungen zu vermögen.“ Das wurde angenommen, die Deputation ward gewählt. Der Gemeinderath, bei dem Messenhauser unmittelbar nachher erschien, fügte der Deputation einige seiner Mitglieder hinzu. Der Reichstagsausschuß lehnte seine Betheiligung ab. Er überließ wie gewöhnlich „alles Weitere dem gewissenhaften Ermessen der Vertreter und Vertheidiger der Stadt“. Bem sah seine Wiener Laufbahn für beendigt an und verschwand ebenso geheimnißvoll aus Wien, als er gekommen war. Blum und Fröbel nahmen am Frühmorgen des 29. von ihrem Hotel aus ihre Entlassung. „Leider endete damit nicht auch Blum’s revolutionäre Thätigkeit“, insinuirt Herr v. Helfert. Wir werden sehen, mit welchem Rechte!

Die Deputation der städtischen Behörden verfügte sich in der sonntäglichen Stille des 29. October zum Fürsten auf den Laaer Berg, von wo aus der Fürst die Kämpfe der letzten Tage geleitet hatte. Tiefer Friede lag über der Stadt, der Landschaft, die Tags zuvor alle Gräuel des Bürgerkrieges gekostet. Von den Thürmen wehten weiße Fahnen. Glockengeläute klang wehmüthig über der bezwungenen Stadt. Nicht mehr zum Kampfe rief es, zum Gebet. Schaarenweise strömten die Frauen zur Kirche, den Höchsten anzuflehen um Erlösung von tausendfältigem Uebel. Auch Fürst Windischgrätz hatte eine Art von Sonntagsfrieden im Herzen. Unbeugsam hielt er zwar seine Bedingungen fest. Aber als ihn die Vertreter der Stadt anflehten um Milde und Gnade, auch für die Deserteure, die in Wien gegen seine Truppen gefochten, gab er sein fürstliches Wort zum Unterpfande: er werde sich an Großmuth nicht überbieten lassen.[287] So ward ihm denn die unbedingte Unterwerfung der Stadt zugesagt. Messenhauser suchte im Innern der Stadt in seiner Weise, auf dem gewohnten Wege der Proclamation auf diese Wendung vorzubereiten. „Wir stritten nicht mit der vollen Aussicht, mit der sichern Ueberzeugung auf den factischen Sieg“, offenbarte er nun plötzlich, „wir stritten einfach als constitutionelle Männer, um für unsere Ehre das äußerste gethan zu haben. Daher ergeht jetzt an Euch, Mitbürger, die dringende Aufforderung, Gewissen und Vernunft zu erforschen“. Er fügte hinzu, daß jede bewaffnete Compagnie nach der Rückkehr der Deputation die Erklärung abzugeben habe, ob sie für die Fortsetzung des Kampfes oder für die Unterwerfung stimmen wolle. „Die Mehrheit ist das Gottesurtheil für Entschlüsse und Handlungen, insolange nicht die Minorität auf natürlichem Wege zur Majorität geworden.“

Um vier Uhr Nachmittags fand diese Abstimmung in der Stallburg statt. Sie führte zu den leidenschaftlichsten Scenen. Aber dennoch siegte auch hier, vornehmlich durch Messenhauser’s überzeugende Reden zu Anfang und am Schlusse der stürmischen Verhandlungen, die Stimme der Vernunft. Messenhauser feierte den glücklichsten Tag seines Lebens. Auch im Studentenausschuß, der in geheimer Sitzung über die Frage der Capitulation berieth, waren die Ansichten getheilt. Da traten Blum und Fröbel herein, begrüßt von dem Jubel der Studenten. Blum verlangte sofort das Wort und sagte: „Er sei zur Ueberzeugung gekommen, daß man ohne Plan und Ziel seine Kräfte, sein Leben einer Bewegung geweiht habe, die keine Aussicht auf einen wahrscheinlichen Sieg habe; es sei auf Kräfte gerechnet worden, die man nicht besitze; man habe eine durch fünfzehn Kreuzer[288] hervorgerufene Kampflust für wahre Begeisterung des Volkes genommen. Jeder Versuch, den Kampf länger fortzusetzen, sei Wahnsinn, sei Verbrechen, weil man, wie die Sachen ständen, nicht siegen könne.“[289] Auch Fröbel mahnte zur Uebergabe. Das Studentencomité beschloß in diesem Sinne.

Hätte Fürst Windischgrätz einen Funken wahrer militairischer und namentlich staatsmännischer Begabung besessen, so hätte er bei dieser tiefen Niedergeschlagenheit der Vertheidiger sich sofort mühelos und widerstandslos zum Herrn der Stadt gemacht. „Dem steifen, förmlichen Wesen des Feldherrn waren aber rasche Entschließungen in hohem Grade zuwider, es mußte zuerst eine „gemischte Commission“ von Offizieren und Gemeinderäthen zur Berathung über die Modalitäten der Entwaffnung bestellt, dann eine neue Punctation der Deputation entworfen werden. Darüber ging eine kostbare Zeit verloren.“[290] Die anarchistischen Elemente der Stadt, die Deserteure, die sich nach der Capitulation den Kugeln des Standrechts preisgegeben sahen, gewannen in diesen nutzlos vergeudeten Stunden den Muth der Verzweiflung, die nichts mehr zu verlieren hat, und verlangten die Fortsetzung des Kampfes. Daß Verrath Schuld an der trostlosen Lage der Stadt sei, war allgemeiner Glaubensartikel. Fröbel hat ihn, wie wir sahen, später vor der Paulskirche bekannt, und Blum schrieb aus dieser Stimmung am 30.[291] an die Gattin:

„Liebe Jenny! Die Schlacht ist verloren, das boshafte Glück hat uns geäfft. Nein, das Glück nicht; der schmachvollste Verrath, den jemals die Weltgeschichte gesehen hat, war derart gesponnen, daß er im Entscheidungsaugenblicke und allein in diesem ausbrach. Wien capitulirt eben und wahrscheinlich wird die innere Stadt heute Abend oder morgen übergeben; dadurch sind einige noch unbesiegte Vorstädte dann ebenfalls bezwungen oder werden es wenigstens leicht. Ein Theil des Heeres, d. h. des städtischen Heeres — will die Waffen nicht ablegen, besonders sind die übergetretenen Soldaten in wahrer Raserei; es kann demnach sehr schlimme Scenen im Innern geben. Sobald der Verkehr wieder beginnt, reise ich ab und komme nach Leipzig. Leb’ wohl, ich kann nicht mehr schreiben, mein Herz ist zerrissen von Zorn und Wuth und Schmerz. Lebe wohl! Auf baldiges Wiedersehen! Gruß und Kuß. Robert. — Es fällt mir eben ein, daß Du nichts mehr zu leben hast; es geht Dir wie uns. Wir haben nur Brot, Eier, Käse und ein wenig gesalzenes Fleisch, auch etwas Fische, alles enorm theuer. Laß Dir, wenn Du auf Georg nicht warten kannst, von Freund Heyner 30 Thaler geben, ich schicke sie ihm dann gleich zurück, wenn ich wieder dort bin.“

Ein unseliges Geschick machte die Zögerung des Fürsten bei der Besitznahme der Stadt besonders verhängnißvoll. Am Nachmittag des 30. October rückten nämlich plötzlich die so lang ersehnten ungarischen Heersäulen zum Entsatze der bedrängten Hauptstadt heran und stellten sich bei Schwechat den Heerhaufen Jelačić’s gegenüber. Zweimal schon hatten sie im October die Leitha überschritten, waren aber aus politischen Bedenken immer wieder auf ungarisches Gebiet zurückgekehrt. Da eilte Kossuth selbst in das Lager bei Parendorf und drängte zum Angriff. Er sandte am 25. dem Fürsten ein Ultimatum. Windischgrätz antwortete mit seinem Sprüchel: „Mit Rebellen unterhandle ich nicht“, und behielt den ungarischen Sendboten, den Oberst Ivánka als Kriegsgefangenen im Lager. Dieser Bruch des Völkerrechts heischte Rache. Am 26. brachen die Ungarn auf. Am 30. standen sie bei Schwechat. Das Treffen war ein kurzes. Die Ungarn wichen rasch zurück, ohne eine entscheidende Niederlage erlitten zu haben, aber auch ohne die Absicht, je wieder den Wienern zu Hülfe zu kommen. Am 31. stand Moga schon wieder auf vaterländischem Boden. Für Wien aber war diese kurze Episode von furchtbaren Folgen!

Seit dem Frühmorgen des 30. October hatte man in Wien vom Anmarsch der Ungarn geredet. Messenhauser, der sein Commando bereits niedergelegt, übernahm es wieder, stieg auf den Stephansthurm und meldete von hier gegen Mittag, daß man deutlich ein Gefecht bei Kaiserebersdorf gewahre. Bald folgten zwei weitere Bulletins, welche die offenbare Annäherung der Schlacht, also das siegreiche Vordringen der Ungarn meldeten und den Nationalgarden befahlen: „im Falle ein geschlagenes Heer sich unter den Mauern Wiens zeigen sollte, auch ohne Commando unter das Gewehr zu treten“. Diese Aufforderung konnte nur bedeuten, daß die Nationalgarde sich über die Truppen des Fürsten hermachen solle, um diese vollends zu vernichten. Auf eine solche Losung hatte das anarchische Proletariat nur gewartet. Umsonst war der Widerruf Messenhauser’s, der bald seinen schweren Irrthum erkannte. Umsonst versicherte der Gemeinderath, daß die Capitulation bereits abgeschlossen sei; umsonst versprach er, den Sold an die Arbeiter und Unbemittelten „bis zur hergestellte Ordnung der gestörten Gewerbsverhältnisse“ fortzuzahlen. Umsonst endlich warf Messenhauser die schönsten Blüten seiner Proclamationskunst unter die Menge: „An Wien, dem einstigen heitern Zusammenflusse der Fremden und Wißbegierigen, soll sich nicht eine Erinnerung, gräßlich und erschütternd, wie jene von Troja, Jerusalem, Magdeburg knüpfen; jede belagerte Stadt muß sich ergeben, wenn es zum Sturm gekommen ist.“ Die zuchtlosen Mobilen dachten nicht an Ergebung, aber auch nicht mehr an Gehorsam gegen irgend einen Befehl. Messenhauser wurde der Vorwurf des Verraths offen ins Gesicht geschleudert, stürmisch seine Absetzung verlangt. Schließlich ließ der unselige Mann sich bewegen, mit Fenneberg sich in das Commando zu theilen und auch die wildesten Maßregeln des Pöbels, den Aufstand gegen jede gesetzliche Autorität, einen Kampf, dessen Nutzlosigkeit und Nichtswürdigkeit er einsah, mit seinem Namen zu decken. Als die souveränen Gewalthaber Wien’s durchzogen die Proletarier seit dem Abend des 30. die Straßen, preßten Alles zum Kampfe, übten jede Gewalt gegen Diejenigen, welche sich ihrem verbrecherischen Ansinnen aller Art widersetzten; kurz, die Pöbelherrschaft in schlimmster Form herrschte seit dem 30. October in Wien.

Es ist traurig, daß man heute, nach dreißig Jahren noch, gezwungen ist, Robert Blum gegen den Verdacht zu rechtfertigen, daß er sich an diesem schuldvollen Capitulationsbruch betheiligt habe, daß er unter Denen gewesen sei, welche Messenhauser’s Absetzung verlangt, ja ihn mit dem Leben bedroht hatten, daß er zur Weiterführung des Kampfes aufgereizt haben soll. Allerdings ist der Gewährsmann für diese Behauptung nur Herr v. Helfert. Selbst seine „zuverlässigen“ Quellen, Dunder, Köcher und wie die Söldlinge des Wiener k. k. Militärcommando’s aus den Jahren 1848/49 Alle heißen mögen, geben sich nicht her zu Genossen dieser Verdächtigung. Herr v. Helfert nimmt diese Behauptungen ganz allein auf sich selbst und er hat es daher auch allein zu tragen, wenn hiermit erklärt wird: daß Derjenige wissentlich und in der Absicht, einen Todten zu verleumden, die Unwahrheit sagte, der diese Behauptungen niederschrieb. Wissentlich und in der Absicht zu verleumden, denn er kannte den Bericht Fröbel’s vor der Paulskirche und wußte daher, daß Fröbel hier erklärt hatte[292]: „Nachdem dieses (unsere Demission und deren Annahme) vorüber war, haben wir an Dem, was weiter geschah, keinen Antheil genommen. Ich muß Sie hierauf aufmerksam machen, weil ich gehört habe, daß in Zeitungsberichten gesagt wurde[293], Blum hätte noch nach der Capitulation und während der Einnahme der Stadt unter Waffen gestanden und gefochten, das ist eine Unwahrheit. Wir haben die ganze Zeit, vom 29. October bis zum 4. November in unserem Gasthause zugebracht, mit wenigen Ausgängen in die Stadt. An dem ersten Tage nämlich haben wir es noch mehrmals gewagt, auf die Straße zu gehen. Da aber in der Stadt Greuel verübt wurden und man Gefahr laufen konnte, massacrirt zu werden, weil man eine Physiognomie hatte, die den Soldaten nicht gefiel, entschlossen wir uns, nicht mehr auszugehen und haben uns ruhig zu Hause gehalten.“ Dasselbe bestätigt zum Theil L. Wittig in seinem bereits citirten Artikel in der „Dresdner Zeitung“ vom 15. November. Er besuchte Blum tagelang in dessen Hôtel. Dasselbe bestätigt Blum’s Brief an seine Frau vom 30. October, den Herr v. Helfert gleichfalls kannte, da er in Frey, „Robert Blum“ abgedruckt ist. Vor Allem aber hätte Blum vor dieser Verleumdung schützen sollen: zunächst jede genauere Kenntniß seines Lebens und Charakters — diese konnte man bei Herrn v. Helfert allerdings nicht voraussetzen — sodann Blum’s Auftreten vor dem Studentencomité am 28. Oct.; — endlich schon die eine Thatsache, daß er mit Fröbel seine Stellung als Hauptmann niederlegte bereits am 29. Morgens, sobald er von der Unhaltbarkeit der Stadt überzeugt war, und von der Einleitung von Capitulationsverhandlungen gehört hatte. Nichts hatte sich seither zu Gunsten der Stadt geändert. Im Gegentheil, die Capitulation war fest abgeschlossen und die Niederlage der Ungarn hatte Blum selbst mit angesehen[294], da er nach Auerbach’s Darstellung zu einer Zeit Messenhauser auf dem Stephansthurm besuchte und durch das Glas schaute, als die Ungarn schon auf eiligem Rückzuge begriffen sein mußten. Welches Motiv Blum da hätte veranlassen können, mit jenen Helden zu fünfzehn Kreuzern zu fraternisiren, die er am 28. im Studentenausschuß so verächtlich bezeichnet hatte, dafür bleibt Herr v. Helfert jede Erklärung schuldig. Er wagte sich freilich, als der erste Band seines Werkes erschien, nicht einmal mit seinem Namen heraus.[295] Seine Verleumdung trug also damals den Charakter des muthvollen namenlosen Pasquills.