Indessen nicht blos von geistlichen Dingen war in jener ernsten Stunde zwischen beiden Männern die Rede. Der Pater war der Träger der letzten Möglichkeit einer Rettung Blum’s, die menschlichem Ermessen denkbar war.

Als nämlich die politischen Freunde Blum’s in Frankfurt von seiner Verhaftung hörten, was etwa den 6. der Fall war, erklärte Karl Vogt mit seinem richtigen realistischen Instincte den vertrautesten Parteigenossen rund heraus, daß er Blum für verloren halte, wenn derselbe nicht in den Besitz einer Summe Geldes gesetzt werde, die den muthmaßlichen Durchschnittspreis der Ehrlichkeit seiner Wächter erreiche. Wenige Stunden darauf stand Karl Vogt an der Spitze einer kleinen Deputation vor Rothschild und bat ihn, gegen gute Procente die Summe von etwa 3000 Gulden in Robert Blum’s Hände nach Wien gelangen zu lassen. Der alte Amschel schüttelte den Kopf und fand das Geschäft bedenklich. War er doch österreichischer Freiherr. Der jüngere aber fand die Procente des Wagnisses werth und sagte zu. Während die Quittung ausgeschrieben wurde, blieb Vogt allein zurück und bat um Auskunft, auf welchem Wege denn das Geld an den gefangenen Blum besorgt werden solle. Der Börsenkönig wollte lange nicht heraus mit der Sprache. Endlich sagte er flüsternd: „Durch den Prior des Schottenklosters in Wien.“[354] Allein auch diese Hülfe kam nun zu spät. Wer hätte es gewagt, für den zehnfachen Preis dem Fürsten Windischgrätz eine Beute zu entreißen, die man sich in Schönbrunn nun keinesfalls mehr hätte entgehen lassen! In diese Erkenntniß fand Blum sich rasch. Das Geld ist bald nach seinem Tode auf demselben Wege nach Frankfurt zurückgelangt und zu den Sammlungen für die Wittwe und Waisen Blum’s gezogen worden.

Der erste bestimmte Wunsch, den Blum an den Geistlichen richtete, war der nach Schreibmaterial, um seine letzten Scheidegrüße an seine Lieben aufzusetzen.

Der Wunsch wurde sofort erfüllt und Blum schrieb zuerst jenen unvergeßlichen Brief an seine Gattin, in welchem die ganze Gemüths- und Gefühlstiefe, die ganze Seelengröße des Mannes sich ausprägt. So oft dieser Brief auch gedruckt oder in anderer Weise vervielfältigt worden ist, er kann wohl nie zu oft mitgetheilt und gelesen werden. Er lautet:

„Mein theures, gutes, liebes Weib, lebe wohl! wohl für die Zeit, die man ewig nennt, die es aber nicht sein wird. Erziehe unsere — jetzt nur Deine Kinder zu edeln Menschen, dann werden sie ihrem Vater nimmer Schande machen. Unser kleines Vermögen verkaufe mit Hilfe unserer Freunde. Gott und gute Menschen werden Euch ja helfen. Alles, was ich empfinde, rinnt in Thränen dahin, daher nur nochmals leb’ wohl, theures Weib! Betrachte unsere Kinder als theures Vermächtniß, mit dem Du wuchern mußt, und ehre so Deinen treuen Gatten. Leb’ wohl, leb’ wohl! Tausend, tausend, die letzten Küsse von Deinem

Robert.

Wien, den 9. November 1848.

Morgens 5 Uhr, um 6 Uhr habe ich vollendet.

Die Ringe hatte ich vergessen; ich drücke Dir den letzten Kuß auf den Trauring. Mein Siegelring ist für Hans, die Uhr für Richard, der Diamantknopf für Ida, die Kette für Alfred, als Andenken. Alle sonstigen Andenken vertheile Du nach Deinem Ermessen. Man kommt! Lebe wohl! wohl!“

An Carl Vogt schrieb er:

„Ein Sterbender empfiehlt sich Dir und allen deutschen Freunden meiner armen Familie. Sie hatten nur mich als Ernährer. Tragt Eure Liebe für mich auf sie über, dann sterbe ich ruhig. Allen ein tausendfaches Lebewohl!

Blum.

Wien, den 9. November früh ½ 6 Uhr.“

An C. Cramer in Leipzig schrieb er: