»Herr, das wäre ein Spaß,« brummte der Alte. In seine Unbefangenheit fiel nicht der leiseste Dämmer einer Ahnung. »Und Ihr meint, Euer Zar würde eine Expedition ausschicken?« Die Abenteurerlust blitzte ihm aus den Augen. »Es wird ihm zu weit sein,« zweifelnd wiegt er den Kopf, »hinter Afrika.«

Mit ihren schönen, festen Händen strich Katharina das Tischtuch vor sich glatt: »Für den Zaren ist nichts zu weit. Die Armenier bitten um seinen Schutz, der Hospodar der Walachei sucht Anschluß an ihn, die Serben schicken Boten, die Söhne der Schwarzen Berge wenden sich um Hilfe an ihn, die Griechen hoffen, daß er das oströmische Reich erneuere …«

Sie brach ab. Die Tür hatte sich geöffnet, auf der Schwelle stand der Kammerherr Jaguschinski. Das lasche, gedunsene Gesicht war gerötet.

»Ew. Majestät …«

Der Holländer sprang auf, polternd stürzte sein Stuhl: »Der Zar, ich war beim Zaren zu Gast?«

Er mußte sich am Tische halten. Die Überraschung war ihm in die Knie gefahren.

»… vom Khan der Kalmücken ist eine Gesandtschaft eingetroffen,« beendete Jaguschinski, der an dergleichen Vorfälle gewöhnt war, seine Meldung. »Sie bieten einen Freundschaftsvertrag an. Der Khan öffnet uns die Grenzen seiner Länder und damit den nächsten Weg nach China.«

»Da hört Ihr's,« Katharina rüttelte den Holländer, der immer noch nicht völlig Herr seiner Verblüffung geworden war, an der Schulter: »die Straße nach China tut sich auf, und Madagaskar sollte uns zu weit sein? – Nichts ist zu weit, was unser Wille ergreift!«

In Peters Augen leuchtete es auf: »Kamerad,« sagte er und preßte ihre Hand mit festem Druck: »Kamerad!«