»Feigling, jämmerlicher Feigling.« In Alexei bäumte sich etwas gegen diese Schmähung, der schmerzhaft verzogene Mund preßte heraus:
»Ich bin nicht feige.«
Eisiger Spott antwortete ihm: »Du hast recht, du bist schlimmer als das, du bist ein Vaterlandsverräter.«
Der Zarewitsch zuckte wie unter einem Schlage zusammen: »Vaterlandsverräter!« Der schwächlich Schwankende richtete sich steil auf, die umflorten Augen blickten plötzlich klar: »Den Namen gebt dem, den ihr meinen Vater nennt. Wie er meine Mutter verraten hat, verrät er Rußland. Um des Fremden willen. An die Fremden. – Ich hasse ihn. O, ich hasse ihn!«
»Natter!« Menschikoffs Finger krallten nach seinem Halse.
Ein hagerer Arm, eine eckige Schulter schoben sich zwischen ihn und den Bedrohten. Ein bärtig überschatteter Mund rief warnend seinen Namen.
Es war Gräfin Barbara.
Unwillig kehrte der Fürst sich ab: »Giftiges Gewürm soll man vernichten, wo man es findet. Ich danke es dir nicht, daß du mich daran gehindert hast. Und ob Er es dir danken wird oder,« ein verächtlicher Blick streifte Alexei, »jener …« Achselzuckend ging er hinaus.
»Du wirst es mir danken.« Barbara Arsenieff murmelte es ihm nach, während sie sich mit sicherer Sachlichkeit um die Wunde des Zarewitsch bemühte.
Über die dunklen klebrigen Krusten der Schußöffnung sickerte noch immer ein fadendünnes rotes Gerinnsel. Aus einem der Schränke nahm sie ein kleines leinenes Tuch, zerriß es rasch in kurze flockige Streifen und preßte sie auf die Wundränder. Ein zweites Tuch kam dicht darüber.