Die erschreckende Verwandlung ihrer Züge entging dem Zarewitsch, er hörte nur das heiße Verlangen in ihrer Stimme, in der Stimme der Botin seiner Mutter. Ein Tränenschwall brach aus seinen Augen, und mit einem wilden Aufschluchzen sank sein Oberkörper vornüber in den Schoß der Gräfin.
XV.
Barbara Arsenieff war seit einiger Zeit überaus beschäftigt.
»Ich kenne meine gelassene Schwester gar nicht mehr wieder,« klagte die Fürstin Darja ihrem Gatten. »Nie ist sie daheim. Morgens nicht, mittags nicht, und abends habe ich sie seit Wochen nicht gesehen. Bald sitzt sie in der Admiralität und hat mit Kikin Besprechungen über die Unterbringung der Kinder verunglückter Seeleute, Naryschkin zu Gefallen treibt sie mit ihm französische Konversation, für den alten Lapuchin sammelt sie Heiligenbilder, dem Generalinquisitor hat sie sich für die Führung seiner Geheimakten als Sekretärin zur Verfügung gestellt und mit dem Fürsten Wolchonski spielt sie bis in die Nacht hinein Karten, damit er seine Gicht vergißt. Sie reibt sich auf. Und keine Vorstellungen halten sie zurück.« Sie schüttelte verzagt den Kopf: »Sie muß sehr unglücklich sein.«
»Närrchen,« Menschikoff nahm sie in den Arm und streichelte ihre Wangen, »deine Barbutschka opfert sich weder auf noch ist sie unglücklich. Im Gegenteil. Sie lebt ihrem Vergnügen. Es gibt für sie kein größeres als gut eingefädelte Ränke. Und augenblicklich ist sie eifrig dabei, welche anzuzetteln. Gegen mich.« Er lachte tief und voll.
Darja barg sich in seinem Arm, ihre Augen hingen an dem angebetenen Manne, ganz dicht schmeichelte sie sich an ihn: »Du hast recht zu lachen, Barbutschka tut nichts gegen dich.«
Er nickte ihr zu, wie einem Kinde, dem man gern zu Willen ist, um es bei guter Laune zu erhalten. »Es mag sein. Ich bin sogar überzeugt, sie redet sich das selber ein. Was ich sehe und erfahre ist freilich, daß sie alle meine versteckten und offenen Feinde aufhetzt und die Herzen für den bedauernswerten Sohn des Zaren,« seine Stimme war satt von Hohn, »in Wallung versetzt. Mag sie. Es schiert mich nicht, wie diese Leute über mich denken. Ich weiß, daß sie mich hassen. Als Ausländer und als den Mächtigsten nach dem Zaren.« Er ließ lässig die Achseln fallen. »Ihr Haß ist mir ebensoviel wert wie ihre Freundschaft, es ist der Sockel für Alexander Menschikoff.«
Peter der Große und sein Sohn Alexei
Nach einem Gemälde von Nikolai Ge