Die Gräfin hatte sich nur ungern zu diesem Schritt verstanden, sie fürchtete Unbesonnenheiten von seiten des Prinzen, auch stand es völlig außer Berechnung, wie die ehemalige Zarin sich zu ihrem Sohne verhalten würde. Aber andererseits drohten ebenso von einer Verweigerung der Erfüllung dieses Wunsches Gefahren. Nun die Sehnsucht des Zarewitsch ihren Angelpunkt gefunden hatte, verlangte er ungeduldig nach einem Wiedersehen mit der halbvergessenen Mutter. Die Gräfin verhehlte dem Fürsten ihre Bedenken nicht.

Er wußte sie zu zerstreuen: der Sohn eines Jugendfreundes, ein Major Glebof, hatte den Bezirk des Klosters Susdal, das der ehemaligen Zarin zum Aufenthalt angewiesen war, als Musterungskommissar unter sich. Wenn der Prinz es über sich bringen wollte, Interesse am Verwaltungswesen zu bezeigen, so ließ es sich einrichten, daß er dem Major als Beisitzer zugeteilt wurde. Auf diese Weise konnte unauffällig ein Zusammentreffen erfolgen.

Die Gräfin dankte. Nach Wochonski war sie bei Kikin, lag ihm, von dem sie wußte, daß er bei Katharina nicht ohne Einfluß war, in den Ohren, deren Teilnahme für den Prinzen wachzurufen. Sie verstand es, ihm begreiflich zu machen, daß sie selber, obwohl sie im Ehrendamendienst fast täglich um die Gattin des Zaren war, bei deren Abneigung gegen sie weit weniger wirksame Fürsprache tun würde als er. Bereitwillig ließ sich der eitle Admiralitätschef bereden. Es wurde auf dem Umweg über ihn wirklich erreicht, daß Katharina sich bei dem Zaren für den Prinzen verwendete, ihm Verzeihung erwirkte und die Erlaubnis, sich nach seinem Gefallen in den Verwaltungszweigen unterrichten zu dürfen.

»Wer die Menschen nicht nach ihrer Art zu benützen weiß, ist ein schlechter Baumeister,« hatte sie ihrem Gatten vorgehalten. »Der Prinz wird nie ein guter Soldat sein.«

»So soll er auch nicht Zar werden.«

»Das zu bestimmen ist dein Recht.«

Er hatte sie, die schon wieder guter Hoffnung war, zärtlich in seine Arme gezogen: »Könnte ich mich doch seiner erst bedienen. Oder wird es wieder ein Mädchen sein?«

Sie bog den Kopf auf, voll Selbstbewußtsein:

»Eine Frau wird die Krone so gut tragen wie ein Mann.«

Peter antwortete nicht. Nur ein verschmitztes Lächeln spielte um seinen Mund.