Katharina nahm sein Schweigen für Gewährung ihrer Bitte. Am Abend hatte Kikin ein paar Zeilen, die ihn benachrichtigten, daß Fürst Menschikoff angewiesen werden würde, dem Zarewitsch keine Schwierigkeiten in der Wahl seiner Verwaltungsstudien zu bereiten. Nach ihrem Diktate mußte Gräfin Barbara, die gerade Dienst hatte, sie schreiben.
Sie tat es mit mühsam unterdrücktem Triumphgefühl: die Knoten des Netzes, das sie strickte, knüpften sich gut.
Und immer fester zogen sich die Fäden, immer dichter wurden die Maschen.
Beim Fürsten Wolchonski kamen die Verschworenen zusammen und berieten.
Die Gelegenheit zu einem entscheidenden Schlage war günstig. Der Zar, dessen Abreise zum Heere nahe bevorstand, weilte fast allein in der Hauptstadt. Die fremden und die ihm ergebenen russischen Generale waren mit der ganzen Truppenmacht bereits nach dem Süden abgezogen, wo sie bald von türkischen Truppen gebunden sein würden. Einem Thronwechsel stand also ein ernstliches Hindernis nicht entgegen. Dennoch fand eine derartige Übereilung nur matte Zustimmung. Die meisten waren dafür, den Ausgang des Feldzuges abzuwarten. Vielleicht besorgten die Türken das gefährliche Geschäft. Es hieß, daß sie sich in großen Massen in Bewegung gesetzt hätten und daß die Tataren sie durch gewaltigen Zuzug verstärkten.
»Warum sollen wir Sünde auf uns laden,« sagte der Fürst Wolchonski schwer und langsam, »es ist schon mancher stolz und übermütig ausgegangen, die Welt unter seine Füße zu bringen. Gott hat ihnen noch allen Halt geboten.«
Die junge finnische Bedienerin, die der Fürst nie von sich ließ und die die Aufgabe hatte, seine gichtisch schmerzenden und ständig frierenden Füße in ihrem Schoße zu wärmen, ließ ihre Augen verwundert über die Runde der Bedenklichen laufen:
»Gebt Eurem Zaren ein Weib, das sich vor der Sünde nicht fürchtet, und er wird tun, wie sie es will.«
»Was redest du da!« Der Fürst stieß der vor ihm Knienden unwillig mit dem Fuß gegen den Leib. »Das ist knapp aus dem Ei gekrochen und sticht schon wie ein Basilisk.«