»Lottl!« Die Kurfürstin war ganz außer sich über das Unheil, das sie angerichtet hatte, »so etwas darfst du nicht denken. Bist du nicht dem Zaren willkommen? Er erhofft von dir, daß du das Herz seines Sohnes ihm geneigt machen wirst. Und,« sie suchte alle Gründe, die Verzagte aufzurichten, zusammen, »hat dir nicht seine Gemahlin freundlich schreiben lassen, daß sie dich wie ihre eigene Tochter halten wolle.«

Die Prinzessin schwieg. Aber ihre Mienen besagten deutlich, daß sie sich vor dieser Frau noch mehr bangte wie vor dem Zaren.

Innerlich teilte die Kurfürstin ihre Befürchtungen: sie hatte manche schlimme Erfahrungen mit den durch Geist und Laune eines fürstlichen Verliebten Emporgekommenen gemacht. Laut aber trug sie zusammen, was zu Katharinas Gunsten zeugte: die Retterin vom Pruth galt viel beim Zaren. Es wäre ihr ein leichtes gewesen, den Zwiespalt zwischen ihm und seinem Sohne zu erweitern. Sie aber hatte ihren ganzen Einfluß aufgewendet, ein erträgliches Nebeneinander anzubahnen. Die Erlaubnis zur Reise nach Deutschland verdankte der Prinz ihrer Befürwortung, sie war dem Plane seiner Verbindung mit Charlotte von Anfang an geneigt gewesen. Der Prinz hielt viel von ihr.

»Wenn er von ihr spricht, wird der Schweigsame ordentlich lebendig.«

»Hast du es auch bemerkt?« Die Züge Charlottens waren gespannt.

»Ja.« Eine ziemliche Verwirrung hatte sich der Kurfürstin bemächtigt: war denn jedes ihrer Worte bestimmt, die Ärmste zu verwunden? Sie suchte nach einer harmlosen Erklärung für des Prinzen Verhalten, das ihr Charlottens Frage in ein neues auffallendes Licht gerückt hatte: »Ich glaube,« sagte sie unsicher, »er bewundert …«

Die hellen Augen der Prinzessin weiteten sich geängstigt: »Bewunderung …«

Sie verstummte.

Der Huissier vor der Tür hatte seinen Stab aufgestoßen. Die Flügel sprangen auf. Der Zarewitsch erschien mit den Herren seines Gefolges, die Braut einzuholen.

Charlotte war aufgesprungen. Sie stand schwankend. Ein jäh ausbrechendes Schluchzen warf sie an des Prinzen Brust: