Es war der Gräfin Barbara nicht zu verdenken. Noch immer nicht hatte sie mit ihrem schlau ausgelegten Netz den entscheidenden Zug tun können. Ja, schlimmer als das, der Fisch, auf den sie es hauptsächlich abgesehen hatte, drohte, ihr durch die Maschen zu entschlüpfen.
»Sie und wieder sie,« zischte sie ingrimmig. »Wüßte ich nicht, daß sie von meinen Plänen keine Ahnung hat, ich müßte vermuten, alles sei ihr offenbar. So überlegen begegnet sie mir. Ah,« sie preßte die Faust wider die Zähne, »wenn ich sie unter die Füße bekomme.«
»Du würdest nicht über sie triumphieren, Herrin. Sie ist Livländerin. Die sind zäh.«
»Boshaftes Ding!« Afranisja erhielt einen leichten Schlag, der jedoch mehr einer Liebkosung als einer Strafe glich. »Was willst du damit sagen?«
Die Finnin duckte sich. Ihre dunklen Augen schillerten die Gräfin an: »Es gibt nur eine Rasse, die es mit ihnen aufnimmt: Die Finnen!«
»Sieh an, da hinaus willst du! Gib dir keine Mühe, das livländische Herz schlägst du nicht aus dem Felde.«
Afranisja wiegte zweifelnd die Schultern.
»Nicht einmal die bleichsüchtige Deutsche, solange sie ihre Hand über sie hält,« setzte die Gräfin ärgerlich hinzu.
Neugierig beugte sich die Dienerin ihr näher: »Ach ja, wie war's bei dem Empfang, Herrin, du hast noch gar nichts erzählt.«
Ein hartes Lachen antwortete dieser Frage: »Wie es war? O, die liebe Familie schwimmt in Glück und Seligkeit. Diese Frau führt sie alle an der Nase herum. Sie macht aus dem Peter wahrhaftig einen Peter. Er ist Wachs in ihrer Hand. Die blonde Zimperliese heult sich an ihrem Busen aus, und der Jämmerling von Zarewitsch verschlingt sie anbetend mit den Blicken. Er, der sonst die Augen nicht aufzuschlagen wagt. Und warum? Weil es der gnädigsten Frau Stiefmutter beliebte, eine ehrliche Aufwallung seines Vaters in eine Rührszene umzuwandeln. O, dieses Weib!«