»Du?«
Afranisja lächelte verschmitzt: »Es ist mein sehnlichster Wunsch, der rechtgläubigen Kirche anzugehören.«
»Schlange,« die Gräfin rüttelte sie an den Schultern, »ist das dein Gift?«
Geschmeidig duckte sich die Finnin: »Ich hab's für dich!«
Eine wilde Freude zuckte in den unschönen Zügen der Gräfin auf: »Stich zu, stich!« Ihr Blick wurde drohend: »Aber wehe dir, kehrst du deinen Zahn wider mich. Du bist mein,« sie schüttelte die Hand gegen das Mädchen. »Mein. Mein Eigen!«
»Dein Eigen!« Afranisja mußte sich tief über die gebieterisch ausgestreckten Finger beugen, um vor der Wachsamkeit der Gräfin das listige Zwinkern ihrer hellbewimperten Lider zu verstecken.
XVIII.
Der Haushalt des Zarewitsch hatte einen Zuwachs erfahren. Eine neue Aufwäscherin war eingestellt worden. Der Zarewitsch würde von dieser Vermehrung seiner Bediensteten wohl kaum etwas erfahren haben, wenn das schlicht und einfach gekleidete Landmädchen ihm nicht dadurch aufgefallen wäre, daß er es beinahe Tag für Tag vor dem Bilde der heiligen Mutter Gottes von Kasan, das in einer Nische des Vorzimmers zu seinen Gemächern eingelassen war, in inbrünstigem Gebete gefunden hätte. Eine solche Frömmigkeit war nicht eben häufig unter den Eingeborenen der Bezirke um Petersburg, die, wenn sie nicht gar noch wüstestem Zauberglauben anhingen, als ehemalige Untertanen Schwedens der lutherischen Lehre ergeben waren. Des Prinzen Wißbegierde wuchs mit jeder Begegnung. War doch die Beterin so tief in ihre Andacht versenkt, daß sie dem Kommenden oder Gehenden, der vielfach geflissentlich in ihrer Nähe sich verweilte, nie, wie es sonst der Frauen Art ist, einen halben oder ganzen Blick zuwarf. Diese gläubige Hingabe beschämte den Prinzen: wie weit war er noch von der völligen Abgekehrtheit entfernt, die diesem Mädchen Natur geworden war. Ihm tötete ein leisestes Geräusch den Aufschwung der Seele. O, daß er von diesem Mädchen lernen könnte.
Er sprach sie an.