»Es war ein im Mutterleibe vergiftetes Leben.«

»Von seiner Mutter?!« Das alte Mißtrauen sprang in Peter auf.

»Durch die Schuld des Vaters!« sagte Dr. Hofy ernst.

Stöhnend barg Peter das Gesicht in den Händen.

Er rührte sich nicht, als die Leichenwäscher kamen, rührte sich nicht, als die Träger den Sarg holten, ihn in der Peter-Pauls-Kathedrale aufzubahren. Stumpf, leer saß er neben dem leeren Lager.

Ostermann erschien mit Berichten. Aus London, aus Paris, aus dem Haag. Er bat, seinen Vortrag halten zu dürfen. Kein Wink, keine Bewegung verriet, daß Peter seine Anwesenheit überhaupt wahrgenommen hatte. Nach ihm wollte es Jaguschinski versuchen, den Zaren aus seiner Erstarrung zu reißen. Und danach Schafirof. Sie gelangten nicht mehr zu ihm. Peter hatte sich eingeschlossen. Über das Bett geworfen, den Kopf in die Kissen vergraben, lag er in dumpfem, lastendem Schmerz.

Der Tag verging und noch einer und noch einer. Von allen Türmen der Stadt läuten die Glocken. Unabsehbar der Zug, der dem kleinen Peter Petrowitsch das letzte Geleit gab. Nur einer fehlte: der Zar.

Und noch ein Tag verstrich. In den Vorzimmern harrten die Gesandten, in den Kanzleien häuften sich die Aktenstücke unerledigt. Niemand wagte eine Entscheidung ohne den alleinherrschenden Willen zu treffen, alle Staatsgeschäfte stockten. In der Stadt begann das Gerücht umzulaufen, der Zar habe in seiner Verzweiflung Hand an sich gelegt. Unruhe und Unsicherheit verbreitete sich in allen Kreisen. Die Lage war gefährlich.

Kurz entschlossen berief Katharina den Senat. Dann drang sie mit Gewalt in das abgesperrte Gemach. Durch erbrochene Türen.

Der gelle Ton des splitternden Holzes hatte Peter aufgeschreckt. Wie ein Gespenst schwankte er empor. Wirr umstarrte das kurze Haar das bleiche veränderte Gesicht. Ausdruckslos stierten die Augen auf die Eintretende.