»Ich?!« Schafirof war entsetzt: »Ich soll mein eigenes Todesurteil schreiben?«
»Die Kaiserin ist nicht kleinlich. Stehen Ew. Exzellenz ihr jetzt zur Seite, so wird sie bereitwillig den üblen Schachzug nach der Flucht des Zarewitsch vergessen.«
»Sie geben mir Hoffnung?«
Ostermann nickte: »Auf die Möglichkeit, viel gut zu machen.« –
Gutmachen. Das war, worauf auch das Volk vertraute. Katharina würde das Land nicht in endlose Kriege stürzen, würde nicht um einer vermeintlichen Mehrung willen Hunderttausende von Menschen opfern. Frieden würde sein und die Werke des Friedens würden gedeihen. Ein Aufatmen ging durch das ganze Reich.
Unbekümmert darum spannen die Gegner Katharinas ihre Ränke. Was kümmerte sie das Volk. Außer zu ihrer Verherrlichung war es nichts nütze. Mochte es sterben und verderben. Der mit Blut gedüngte Boden trug um so reicher. Und die Ernte fiel ihnen zu.
Doch die Dolgoruckis gönnten den Golypins nicht den Platz bei Tische, und diese waren den Trubetzkois nicht grün, und die wieder bemühten sich, den Fürsten Repnin fernzuhalten. Der hetzte gegen die Apraxins und trachtete, die Golowins und Golowkins auszuschließen. Keiner gönnte dem andern einen Bissen, obwohl der Neid auf die »Ausländer« ihren Hunger stachelte.
Das war die eine Partei.
Die andere bildete Menschikoff und sein Anhang. Ihr Ziel, eine Regentschaft, die Katharina den Schein ließ, ihnen die Gewalt gab, sich ohne Rücksicht auf ein Recht zu bereichern.
Gerüstet standen sie gegeneinander. Die Altrussen hatten den niederen Klerus aufgestachelt, wider die »Fremdenherrschaft« zu wettern. Menschikoff stützte sich auf seinen Einfluß bei den hauptstädtischen Truppen.