Bassewitz, der im Hofstaate des Herzogs von Holstein in Petersburg weilte, wußte beiden zu begegnen. Den Wühlereien der Altrussen brach der Erzbischof Theophanes, den er gewonnen hatte und der sich mit seinem ganzen Ansehen für Katharina einsetzte, die Spitze ab. Und Menschikoffs Machenschaften wußte der ihm befreundete Buturlin, der Oberbefehlshaber der Garden, geschickt zu vereiteln, doch so, daß der Fürst des Glaubens blieb, die Mannschaften des preobraschenskischen und des ssemjenowschen Regiments für sich zu haben. Die Kassen ließ Bassewitz auf die Peter-Pauls-Festung schaffen. Er war auf alles gefaßt und bereit, jedem Schlage, der sich gegen die bewunderte und angebetete Frau richtete, zu begegnen. In jedem Lager hatte er Spürer und Zuträger. Die wichtigste Nachricht brachte ihm Jaguschinski: Katharina sollte gezwungen werden, die Herrschaft mit einem Adelsrate zu teilen. Von dem Generalleutnant erfuhr er auch, daß Menschikoff an die wachthabenden Truppen den Befehl hatte ergehen lassen, keinem, der im Palast weilte, den Ausgang zu gestatten, und den als Herrscher zu begrüßen, der sich an dem geöffneten Fenster des Beratungssaales zeigen würde.
»Er sitzt davor,« Jaguschinski kniff zwinkernd die Lider ein, »und wahrhaftig, ich möchte niemandem raten, sich dem Fenster zu nähern. Er hat noch immer Bärenkräfte.« Mitleidig maß er die schmächtige Gestalt des Grafen.
Bassewitz' bartlosen Knabenmund öffnete ein Lächeln. Aber er erwiderte nichts. Er hatte es eilig. Bei dem Dank an den Polen glitt eine mit Dukaten gefüllte kostbare Dose in dessen lange, ein wenig unsaubere Finger: »Die Kaiserin wird sich Ihrer Freundschaftsdienste erinnern.« Damit flog Bassewitz davon. Gleich einem Trompetenstoß schmetterte seine helle Stimme in die Stille des Sterbezimmers.
»Menschikoff und die Bojaren haben sich versammelt! Es geht um Ew. Majestät Rechte!«
Katharina hob kaum das tränenüberströmte Gesicht.
Rasch ergänzte Bassewitz: »Und um die Rechte des kaiserlichen Enkels.«
Das wirkte.
Mit der flachen Hand strich Katharina über die verweinten Augen und preßte die Schläfen zusammen:
»So ist es Zeit!«
Sie stand vor Bassewitz, fest, gesammelt, entschlossen, dem Nachkommen des Zaren sein Erbe ungeschmälert zu wahren.