Katharina, die, die Hände aufgestützt, lässig an einem Schanzkorb lehnte, hob leicht die Schultern: Die armen Weiber! Da liefen sie hin mit irgendeinem, der ihnen ein bißchen schön tat. So billig gab sie sich nicht.

Sie brauchte sich nicht billig zu geben. Sie konnte wählen. Nicht zwischen zweien und dreien, zu Dutzenden umringten die Russen sie, stießen und schoben sich, starten und glotzten und versuchten, mit plumpen Scherzen ihre Aufmerksamkeit zu erregen.

Sie sah sie alle und sah dennoch keinen. Nicht einen, der ihr wert erschien, ihm einen Blick zu schenken. Sie schätzte genau: hinauf wollte sie und nicht hinab; diese Leute aber waren keine Staffeln zur Höhe. – Gleichmütig, als sei sie allein, begann sie ein Liedchen zu summen.

Die Soldaten wurden unruhig. Sie spürten das Mißachtende dieser scheinbaren Harmlosigkeit.

»Will das Frauenzimmer uns zum Narren machen,« schalt ein schnauzbärtiger Wachtmeister.

»Sie wartet, daß der Alte ihr eine Kutsche und Lakaien schickt,« höhnt ein schmucker Gardist.

»Da kann sie warten, bis sie alt und grau wird«, lacht sein Nachbar. »Der Brummbär macht bald einmal verliebte Nasenlöcher, aber wenn er erst über seinen Plänen sitzt, denkt er nicht mehr daran.«

»Du!« ein Unteroffizier schob sich dicht an Katharina heran, »tu dich nicht gar so rar. Besser als ein vielbeschäftigter Feldmarschall ist ein Reitersmann, der Zeit für die Liebe hat. Und Lust, Mädel, Lust.«

Der Ton des Liedes wurde übermütig, die eine Fußspitze der Trällernden wippte auf und nieder im Takt:

»Und lädst du mich zum Branntewein
Und lädst du mich zum Bier,
Ich dank' für Bier und Branntewein
Und bleibe lieber hier.
Und bietest du mir gar dein Herz –
Du irrst dich, lieber Freund,
Und treibst ein wenig weit den Scherz:
So war es nicht gemeint!«