Und der andere, ein blutjunger, warf die Arme um seinen Beschützer und hing wie leblos an seinem Halse.

Ein Brüllen brach aus der Kehle des Mannes. Er duckte sich und schnellte die Last im Arme mit einem mächtigen Schwung über den Kreis der Knechte hinweg. Mit ein paar Sprüngen gewann er den Eingang. Schon glaubte er sich gerettet, da hoben sich die beiden zottligen Wächter, die er vordem nicht gewahrt hatte, mit murrendem Brummen auf ihre Hinterfüße. Verzweifelt rannten die Blicke des Gestellten in der Runde.

Es gab kein Entrinnen.

Er warf den Kopf in den Nacken und riß mit einer jähen Bewegung den Knaben, der noch immer ohne Bewegung an seiner Brust lag, an sich. Würgend umschnürte seine Rechte den schlanken biegsamen Hals. Sekundenlang öffneten sich zwei große lichtblaue Augen in tödlichem Erschrecken. Doch wie sie den Freund erkannten, leuchtete ein helles, dankbares Glänzen in ihnen auf, und ein sanftes Lächeln glättete das gequälte Zucken des Mundes. Fest, fest preßte die braune Faust den Atem aus dem jungen Leibe. Ein letztes Bäumen, ein rüttelndes Sinken der Glieder. Der Liebesdienst war getan. Langsam ließ der Strelitze den entseelten Körper seines jungen Kameraden zur Erde gleiten.

Ein Brandeisen sauste auf ihn nieder. Zischend bohrte es sich ins Fleisch. Ein Regen von Knutenhieben folgte.

Der Strelitze schüttelte die Pein von sich ab, wie die raschen Tropfen eines Sommerregens. Mit zwei Faustschlägen, rechts und links, verschaffte er sich Raum:

»Gebt Ruhe, Bande, meiner seid ihr sicher.« Und ohne sich um die andrängenden Knechte zu kümmern, schritt er auf das Rad zu, das unweit des Sitzes des Fürsten aufgerichtet war.

»An die Arbeit, Bursche!« Der fette gedrungene Sibirier, der auf der Erde kauernd vor sich hindämmerte, bekam einen festen Puff in die Magengegend. Heulend fuhr er auf, das schläfrige Gesicht verwandelte sich böse, die kleinen schlitzigen Augen glimmten tückisch.

»Fang an!« Der Strelitze hatte den Rock abgeworfen: »Der Herr wird ungeduldig und du mußt es büßen. Brauchst dich aber nicht zu beeilen, mir die Seele aus dem Leibe zu rädern. Habe ich den Herrn um einen Spaß gebracht, so mag er ihn an mir doppelt haben. Ihm zu Gefallen werde ich ein paar Gesichter schneiden, daß er seine Freude daran hat. Also los,« er warf sich unter das Rad, »mit dem Knochenknacken«.