Anisia machte eine müde Handbewegung: »Rechte, Täubchen? Wo ist die Frau, die an einen Mann Rechte hat? Wenn eine darauf pochen könnte, wäre ich es. Und …«
»Nein, Tantchen,« die scharfen Züge der dunkelhäutigen Barbara spannten sich, »du kannst das nicht. Der Ton liegt auf dem Nichtkönnen. Du bist eine gute Seele, lebst in den Tag und denkst nicht an das Morgen. Ich denke daran. Und, ich bin überzeugt, die Katharina denkt auch daran. O, sie ist klug. Sie wird nichts gegen uns unternehmen. Sie wird immer liebenswürdig sein, immer bereit scheinen, uns den Vorrang zu gönnen, aber mit einem Male werden wir überflüssig sein. Ganz und gar überflüssig. Und es wird uns nichts anderes übrigbleiben, als zu gehen. In aller Freundschaft zu gehen. Das fürchte ich.«
In Darjas Augen standen Tränen: »Du bist schlecht, Barbutschka. Stets mußt du einen in Angst jagen. Fort von Alexaschka, fort? Ich, fort?« Aufschluchzend barg sie den Kopf zwischen den Armen.
»Närrchen,« Barbara beugte sich zärtlich über die Schwester, »sei ohne Sorge, er soll dir nicht genommen werden.«
»Ach, du, dann tust du etwas Böses gegen die Katja, und das mag ich auch nicht. Sie ist gut, und du sollst …«
Barbaras Brauen zogen sich zu einem geraden Strich zusammen, von der Nase zu den Mundwinkeln liefen zwei harte Linien:
»Wenn ich's täte, tät ich's für dich. Doch beruhige dich, was ich vorhabe, kann ihr nur zum Vorteil gereichen. Und es wird es, wie ich sie einschätze.«
Die schlaffen Züge Anisias belebten sich:
»Du hast sie dem Großmogul zugedacht?«
»Gott,« Barbara lachte in ihrer abbrechenden, rauhen Weise, »Tantchen wird scharfsichtig.«