»Du wirst dich verrechnen, Töchterchen, du wirst dich verrechnen. Der Alexaschka ist wie ein Ohrwurm hinter dem livländischen Herzchen her. Die roten Haare haben ihn in Brand gesteckt. Dagegen kommen Daschkas Seelenaugen und dein Schnurrbärtchen nicht auf. Wenn du nicht machen kannst, daß sie sich schwarz färbt, läßt er sie dem Peter nicht.«
»Hast du schon erlebt, daß der ihn um Erlaubnis fragt? Er gibt seine Feste in seines Freundes Palast, er bewirtet seine Gäste an des Freundes Tischen, aus dessen Garten holt er sich die besten Früchte und wir …« Sie richtete die grauen Augen voll auf Anisia.
Die kuschelte sich verlegen tiefer in ihre Kissen:
»Der Zar ist der Zar, Kindchen. Und seine Leidenschaft …«
»Ist wie ein Sturm.« Erschauernd zog Darja das Bärenfell dichter um sich her.
»Der ihn zugrunde richten wird.« Barbara sagte es hart und bestimmt. »Er braucht eine Frau, die ihn zu zügeln weiß.«
»Und das soll das rote Kätchen werden?«
Barbara antwortete nicht. Weder Anisia noch Darja brauchten zu wissen, daß sie sich selber für die Frau hielt, die es verstand, den moskowitischen Zaren nach ihrem Willen und Wunsche zu leiten. Katharina war ihr nur Mittel zum Zweck. Auch war sie sich klar darüber, daß sie oft derartiger Mittlerinnen bedürfen würde. In seinen Begierden war Peter unersättlich. – Ein hochmütig abtuender Zug legte sich um ihren scharfgeschnittenen Mund: was tat es? Mochte er seine Brunst ausrasen mit wem er wollte, wenn ihr blieb, seine Herrin zu sein. Die Livländerin würde ihm in die Augen stechen. Rücksichtslos, wie stets, würde er sie nehmen wollen. Diesmal würde es nicht ohne Strauß mit seinem Liebesgenossen abgehen. Wenn sie geschickt vermittelte, hatte sie bei ihm einen Stein im Brette. Und die Livländerin würde ihr dankbar sein. Benützte sie diese Stimmung klug und gelang es ihr weiter, das Spielzeug zur rechten Zeit beiseitezuschieben – es fand sich unter den höheren Bediensteten des Zaren gewiß ein bereitwilliger Abnehmer – und es durch eine neue Freundin zu ersetzen, so verpflichtete sie sich den kaiserlichen Liebhaber mit jedem Male mehr und bekam ihn schließlich völlig in ihre Hand. Freilich, gewagt war das Unternehmen. Es konnte auch gegen sie ausschlagen. – Sie hob die Schultern: die nähere Gefahr drängte. Alexaschkas Verliebtheit in die Rote mußte ein Riegel vorgeschoben werden. An das Teilen war Darja gewöhnt, seinen völligen Verlust würde sie nicht ertragen. Und dazu kam es – sie sah klar, nur zu klar –, wenn die Livländerin im Hause blieb.
»Die Prinzessin!«