Er starrte verdutzt: »Du? – Bist du närrisch?« Schüttelnd zerrte er ihr Handgelenk: »Willst du Rußland ins Verderben stürzen? Ist's nicht genug an dem schwedischen Bedränger? Was kitzelt dich, Mazeppa aufzuhetzen?«

Sein Drohen endete ihr Lachen nicht:

»Seit wann bist du blind? Was bis jetzt Polen für Karl war, wird die Ukraine werden: der Stein an seinem Fuße. Er wird seine Bewegungen hemmen, er wird ihn zum Rande des Abgrunds ziehen und du, und du,« sie dehnte die Worte, »wirst ihn hinunterstoßen.«

Schwer atmend strich Menschikoff über die Stirn: »Das – hast – du – für mich getan?«

Der zitternde Klang seiner Stimme erregte Barbara Übelkeit, abwehrend streckte sie die Arme: »Nicht diesen Dank, nicht mir. An Darja denke, sie liebt dich. Du bist ihr alles.«

»Und dir? Bin ich nichts?« Die Frage verriet Zweifel, der Ton, in dem sie gestellt wurde, drückte Gewißheit aus.

Barbara war zornig. Ihre Brauen zogen sich dicht zusammen: »Du weißt, daß nur ich selber mir etwas gelte,« antwortete sie böse, kehrte sich scharf um und ging hinaus.

Eitler Männerhochmut! Ihre Fäuste ballten sich: wie er sich blähte in dem Wahn, daß auch sie ihm zu Füßen liege. Wie er gnädig bereit war, ihr für ihre Dienste eine Hand voll Liebe zuzuwerfen. – Ein kurzes galliges Lachen stieß aus ihr: läppische Gaukelei. Ein Wesen wie sie, liebte kein Mann. Ihre Züge verhärteten sich: es sollte sie keiner lieben. Keiner. Sie wollte nicht Liebe, Macht wollte sie und Herrschaft. Der Mächtigste sollte ihr Geschöpf sein, ihres. Und der Mächtigste neben dem Zaren – ihre Blicke wurden starr – über dem Zaren würde Alexander Menschikoff sein. Alexander. Alexaschka! – Mit einem stöhnenden Laut warf sie sich auf ihr Bett. Keine Träne brach aus den brennenden Augen, sie schluchzte nicht, kein Zucken bewegte ihre Lippen, nur das weiße Leinen der Kissen riß unter dem scharfen schneidenden Zerren ihrer Zähne. – –


Der Pfeil flog.