Der Zarewitsch haßt die Fremden! In Katharinas Augen glimmte es auf: sie haßte er nicht.

Ihr fiel die Begegnung ein, die sie beim Fürsten Wolchonski mit ihm gehabt hatte. Ihre erste mit dem Sohne des Zaren. Vor wenigen Wochen. Scheu, schüchtern war der stille, junge Mensch dem Gewühl der ausgelassenen Gesellschaft ausgewichen. In eine der tiefen Fensternischen hatte er sich geflüchtet. Verloren lehnte er dort, die überschlanken Finger gequält ineinander gewunden. Die überlaute Lust der andern peinigte ihn. Ein Zug von Ekel stand auf dem schmalen Gesicht.

Er tat ihr leid. Sie trat zu ihm, und da sie wußte, daß ein religiöses Gespräch ihm das liebste war, hatte sie ihm von ihrem bevorstehenden Übertritt zur rechtgläubigen Kirche gesprochen.

Die dünnen, blutleeren Lider des Zarewitsch waren gesenkt geblieben, aber in die blassen Wangen stieg ein feines Rot der Freude:

»Madame haben einen guten Entschluß gefaßt.« Und nach einer Weile fragte er, wer ihre Paten seien.

Ihr war die Zeremonie zu wenig wichtig. Sie vollzog sie, weil die Klugheit es gebot. Die Einzelheiten zu ordnen überließ sie der Prinzessin Natalie, die ihr den Schritt nahegelegt hatte. Sie erwiderte daher, daß diese wohl Patin sein würde.

»Wenn ich der zweite Zeuge Ihrer Bekehrung sein dürfte?« Leise, fast hauchend brachte der Zarewitsch die Bitte vor, während das zarte Flammen bis in seine Stirn flutete.

»Ew. Zarische Hoheit wollen für mich beten?« Sie hatte sich leicht zu ihm, den sie etwas überragte, niedergeneigt.

»Meine innigsten Bitten würden die dem Heile gewonnene Seele begleiten.« Langsam hoben sich seine dunklen Wimpern, und die schwermütigen, dunklen Augen richteten sich voll auf sie.