Sie hatte ihm die Hand hingestreckt. Zum Dank.
Zögernd hatte er die seine hineingelegt, von Glut übergossen und am ganzen Leibe zitternd. Eine kalte, feuchtende Hand. –
Katharina haschte mit den Schultern nach den geklöppelten Stegen des Hemdes, das ihr herabgeglitten war und die volle, weiße Rundung des Nackens und die festen Brüste freigab: nein, der Zarewitsch haßte sie nicht. Sie schüttelte die rote Wucht ihrer Haare, daß sie wie ein Mantel um sie flossen: ihr war nicht bange um ihren Weg. Nur wer sich selber aufgibt, den gibt das Schicksal auf.
Und wie eine Antwort auf ihre Gedanken klang vom Flusse her, der träge und schwer am Garten vorbeizog, ein Plätschern durch die Stille.
Katharina hob lauschend den Kopf.
Der Ruderschlag war verstummt.
Wohl ein Fischer, der auf nächtlichen Fang fuhr. – Dennoch war eine Unruhe in ihr Blut gekommen, die sie nicht länger im Bette litt. Mit beiden Füßen sprang sie vom Lager: Licht!
Sie begann die Kerzen der venezianischen Girandolen, die zwischen dem Fenster und zu den Seiten der Tür und des breiten Spiegels hingen, zu entzünden.
Flamme um Flamme flackte auf, strömte ihren weichen, warmen Schein über sie hin. Der Spiegel sammelte die helle Flut, und sie drehte sich berauscht in dem wonnigen Glanz. Jauchzend warf sie die Arme empor.
Doch die Gebärde erstarrte. Alles Blut wich ihr zum Herzen.