In dem funkelnden Glas, das ihr Bild zurückwarf, stand noch ein zweites Gesicht, düster, verzerrt von Verlangen.
Nur einen Augenblick, dann hatte sie sich wieder:
»Ew. Majestät wählen eine seltsame Stunde zum Besuch.«
Die Kühle ihrer Worte ging an dem Zaren vorüber. Er wollte sprechen. Es wurden nur losgerissene, stammelnde Laute.
Zauber. Dieses von innen quellende Beben verwandelte Katharina aufs neue. Die geflissentliche Herbheit fiel von ihr ab:
»Kommt mein Freund auch spät, er ist mir angenehm.«
Ganz Güte und zärtliches Mitgefühl, drängte sie ihn auf einen der niederen mit chinesischer Seide bezogenen Hocker, saß neben ihm, zu ihm hingeneigt, daß ihr Haar ihn streifte. Ihre Stimme schmeichelte:
»Hat der Tag dir weh getan?«
Den starken Mann schüttelte es, er brach in die Knie, preßte die Stirn in ihren Schoß:
»Der Tag und die Nacht.«